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My Name Is Khan
My Name Is Khan
© 2010 Twentieth Century Fox

Kritik: My Name Is Khan (2010)


Der Titel des neuen Films von und mit Shah Rukh Khan - "My name is Khan" - ließ mich zunächst an eine selbstbeweihräucherung des Bollywoodstars denken. Entsprechend war ich mir nicht ganz sicher, ob ich mir die Sondervorführung des Films im Rahmen des Berlinale Wettbewerbsprogramms antun sollte - war aber schließlich ganz froh, mich dafür entschieden zu haben.
Denn: Der Titel "My name is Khan" ist kein Hinweis auf eine autobiographische Doku, sondern der erste Teil des zentralen Satzes des Films: "My name is Khan - and I am not a terrorist!". Das Hauptthema des Films ist entsprechend, überraschenderweise, Politik.
Shah Rukh Khan legt hier einen Film vor, der offen die teils schon paranoide Intoleranz gegenüber Muslimen - sowohl in Indien als auch in den USA - kritisiert und insgesamt für mehr Menschlichkeit wirbt. In den Plot flossen dabei auch persönliche Erfahrungen ein: Als mit einer hinduistischen Frau verheirateter Muslim musste Khan in Indien einige Anfeindungen über sich ergehen lassen. Prompt protestierten radikale Hindus auch gegen "My name is Khan" und riefen zum Boykott des Films auf. Aber Achtung: Auch wenn "My name is Khan" ungewohnt politisch daher kommt, so enthält der Film doch sämtliche für einen Bollywoodstreifen notwendigen Ingredienzen. Als da seien: Eine wirklich grenzenlos naive und dazu extrem kitschige Lovestory, Tanz- und Gesangseinlagen sowie eine sitzfleischzermürbende Spielzeit. Die typischen technischen Fehler - vor allem Schnittfehler - wurden hier allerdings vermieden. Und wirklich spürbare Längen finden sich hauptsächlich gegen Ende des Films. Der auffälligste Negativpunkt ist daher Khan selbst. Seine Darstellung eines am Asperger Syndrom Leidenden wirkt, als habe er sich zur Vorbereitung etwa 100x "Rain Man" angesehen und nun (mäßig erfolgreich) versucht, Dustin Hoffmans Darstellung zu kopieren. Zur Ehrenrettung sei allerdings gesagt, dass Khan sich mit der Rolle insgesamt recht Erstaunliches vorgenommen hat: Glaubwürdig einen mit übermäßigem Mitgefühl ausgestatteten Autisten darzustellen, dürfte auch dem begabtesten Schauspieler eher schwer fallen.
Gerettet wird Khan von seiner Co-Darstellerin Kajol in der Rolle seiner großen Liebe Mandira. Schon mehrfach haben die beiden gemeinsam vor der Kamera gestanden, sie sind eines der beliebtesten indischen Leinwandpaare - und der Grund dafür ist offensichtlich: Sie harmonieren hervorragend. Kajol kann zudem nicht nur spielen, sie ist auch noch hübsch genug, um allein durch ihre Optik von Khans darstellerischen Schnitztern abzulenken. Ein perfektes Leinwandpaar also.

Fazit: Gesellschaftskritik in Bollywoodmanier, mit einigen Längen gegen Ende. Dennoch durchaus empfehlenswert, sofern man Bollywoodfilmen mindestens neutral (besser natürlich positiv) gegenübersteht.




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