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More than Honey - Poster
More than Honey - Poster
© Senator Film

Kritik: More than Honey (2010)


Regisseur Markus Imhoof stammt aus einer Imkerfamilie und ist mit Honig aufgewachsen, konnte seinem Großvater beim Arbeiten in einer Obstkonservenfabrik mit seinen fleißigen Bienen zusehen, von seinem Opa lernen. "Ein Drittel von allem, was wir essen, gäbe es nicht ohne Bienen“, predigte dieser Imhoff immer wieder. Denn Bienen produzieren nicht nur Honig, sondern befruchten Aprikosen, Beeren, Äpfel und auch Nusssorten (Mandeln).
Doch die Biene steht vor dem Aussterben, die Nachrichten über das Mysterium "Bienentot" vermehren sich, während andere Nachrichten von aggressiven "Killerbienen" sprechen, die Menschen attackieren. Bald könnte es sie nicht mehr geben.

Doch warum sterben "unsere" Bienen? Imhoof ist diesem Mysterium nachgegangen. In seiner Dokumentation "More Than Honey" hat er über fünf Jahre lang die Welt bereist, unterschiedliche Imker, Imkertypen, Länder und Bienenrassen kennengelernt, um das Sterben der Bienen aufzuklären, um herauszufinden, was mit den Insekten passiert ist und was mit ihnen passieren wird. Albert Einstein wird der Satz zu gesprochen "wenn die Bienen aussterben, vier Jahre später auch die Menschen sterben". Ein Satz, der Unheilvolles verkündet. Mehr als nur Honig? Eine Doku, die, wie so oft, ein unangenehmes Licht auf seinen Hauptprotagonisten wirft: Den Menschen.

"Den Menschen treiben lediglich zwei Dinge an. Angst und Gier", so der Imkerkönig Amerikas, John Miller, einer der vielen Gesprächspartner Imhoffs. Der zwischen Demaskierung und Selbstreflektion schwankende Miller analysiert die Lage der Bienen auf der Welt und "seiner" Bienen sehr kritisch. Er selbst ist einer der Gründe für das Aussterben der Bienen, die er mit aller Härte ausbeutet. Denn Miller arbeitet als "Global Player" - dessen Mandelbaum-Paradies nicht mehr als das Ende für die Biene bedeuten kann. Dann schaut er in seine Mandelbaum-Plantage und strahlt freudig: Hier richtet es nach frischem Geld.
Schon jetzt überleben die europäischen, wie amerikanischen Bienen nicht mehr ohne Antibiotika, so sehr schadete der Mensch dem Immunsystem der kleinen Insekten, die nun für Krankheiten, Pestizide und Seuchen noch anfälliger sind. Regisseur Imhoff tastet sich bei seinem Thema intelligent von seiner persönlichen Ebene vor zu einer universellen Betrachtung. Seine Botschaft ist düster. Denn immer, egal wo Imhoof hinkommt, ist es der Mensch, der durch sein Verhalten die Biene ausrottet.

Ob in China, wo die Apokalypse schon eingetreten ist und Lohnarbeiter die Blüten per Hand bestäuben müssen, weil es keine Bienen mehr gibt. Ob ein Mutter-Tochter Gespann in Österreich, welches Bienenköniginnen züchtet und sie lebendig per Post verschickt. Imhoff präsentiert diese teils beunruhigenden Fakten mit der nötigen Gelassenheit ohne dabei seine beiden Hauptprotagonisten aus dem Fokus zu lassen. Denn Imhoff fokussiert sich sehr darauf zwischen den Zuschauer und dem so einfachen Insekt Biene eine Bindung aufzubauen. Dabei begibt sich der Regisseur allerdings in gefährliches Fahrwasser, denn seine Doku hat einen manipulativen Charakter.
Mit speziellen Makroaufnahmen porträtiert der Regisseur seinen Hauptdarsteller, lässt die Biene mit Highspeed-Kameras zwischen 70 und 300 Bildern die Sekunde sich wie Menschen bewegen. So baut er Verständnis für das Insekt auf, welches wir vor allem in seiner vermenschlichten Form - der Biene Maja - kennen.

Diese sonderbaren Makro-Aufnahmen sind einerseits wundervoll eingefangen, anderseits geben sie einen interessanten Blick auf das Wesen Biene. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen fliegender Bienen, die für den Zuschauer erst einmal wie am PC animiert erscheinen. Doch auch wenn sie so wirken mögen, steht dahinter kein Computer, sondern Miniaturkameras, die an Helikoptern befestigt wurden und mit Lockstoffen die Bienen anlockten. Das Ergebnis ist imposant und fabelhaft in Szene gesetzt.

Besonders gelungen ist aber auch die wissenschaftliche Komponente des Films, die die Welt der Bienen auch für den Imkerlaien eröffnet. Was hinter dem Superorganismus steckt, wie Sachwarmintelligenz funktioniert und zu welchen Leistungen Bienen in der Lage sind: "More Than Honey" bietet eine wissenschaftlich fundierte Lehrstunde. So gelingt dem Regisseur der Spagat zwischen beunruhigender Botschaft und wissenschaftliche Betrachtung seines Themas. Ohne mit Populismus oder Verfälschung den Zuschauer zu zermürben, gelingt es dem Regisseur seine beiden Hauptfiguren – Mensch und Biene – im Einklang und als "Personen" zu zeigen.

Fazit: Die Doku "More Than Honey" sucht eine Antwort auf die Frage, warum der fleißigste Helfer unter den Tieren vom Aussterben bedroht ist. Mit tollen Makro-Aufnahmen der Biene lohnt sich der Blick auf dieses bisher kaum beachtete Themengebiet: Sehr sehenswert.




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