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The Rite
The Rite
© 2010 Warner Bros. Pictures

Kritik: The Rite - Das Ritual (2010)


Hollywoods Edelmime und Oscar-Preisträger Anthony Hopkins konnte mit dem Bösen in der Vergangenheit bereits reichlich Erfahrung sammeln. Ob als Van Helsing, manischer Jäger des personifizierten fleischgewordenen Übels Dracula oder als Inbegriff des kulinarischen Grauens, Hannibal, der Kannibale: er kostete die Grenzerfahrung der Rollen immer in Vollendung aus.

In "The Rite – Das Ritual", begibt er sich auf die Spuren des Horror-Klassikers "Der Exorzist" aus dem Jahre 1973. Damals trieb Max von Sydow, in der Rolle des gefallenen Priesters Lancaster Merrin, den leibhaftigen Teufel aus der jungen Regan Teresa MacNeil (Linda Blair) aus. Anthony Hopkins darf sich im Jahre 2011 als Pater Lucas gleich um eine ganze Schar Besessener im Auftrag des Vatikans kümmern. Der Fall einer jungen schwangeren Frau erweist sich aber als besonders schwierig. Als Azubi bekommt er den jungen angehenden Priester Michael Kovak (Colin O'Donoghue) zur Seite. Dieser hat gerade das Priesterseminar in den USA beendet, will aber nicht das Gelübde ablegen. Das Studium am Priesterseminar war für ihn eine Art Notlösung, da er nicht die Chance hatte, an einer regulären Universität zu studieren. Ganz so leicht möchte ihn aber einer seiner Mentoren nicht aus der Pflicht der katholischen Kirche gegenüber entlassen und entsendet ihn nach Rom, in ein Seminar für Exorzisten. Für Michael ist das alles archaischer Aberglaube. Er hält Besessene für psychisch kranke Menschen; solange bis er Pater Lucas bei seiner Arbeit begleiten darf.

Stereotyp wie klischeehaft wurde ein weiterer Aufguss des altbekannten Themas zusammengeschustert. Viel Neues gibt es jedenfalls in "The Rite – Das Ritual" nicht zu entdecken, wobei es zumindest nicht unerfreulich ist, dass in diesem Falle auf eimerweise grüne Kotze und schwebende Jungfrauen verzichtet wurde. Allerdings gibt es wie so oft eine satte Portion gelenkiger Besessenen-Yoga und babylonischen Sprachgewirrs. Und das Priesterduo aus einem zweifelnden und einem gebrochenen Geistlichen ist ebenfalls alles andere als neu.

Schlimmer als das, ist aber die reaktionäre Moral, die – unfreiwillig oder gewollt – transportiert wird. Wieder mal konnte nicht die Finger davon gelassen werden, eine junge Frau in den Mittelpunkt der Exorzismus-Show zu stellen und ebenso unausweichlich scheint überdies jedes mal, dass die Heimgesuchte sofort versucht den oder die Priester zu vernaschen. Offenbar werden die Frauen, die schon im Garten Eden durch die Schlange verführt wurden, immer noch besonders leicht dämonisiert, während der Mann, erschaffen nach dem Ebenbild Gottes, dem Bösen viel besser zu widerstehen vermag.

Fast bekommt man den Eindruck, dass es sich bei "The Rite – Das Ritual" in Wirklichkeit um ein verkapptes Katholizismus-PR-Video handelt. In einer Mischung aus sakral-schwülstiger Atmosphäre, woran auch die enervierende musikalische Untermalung Schuld trägt, und plattitüdenhafter altbiederer Moral, werden Keuschhheit und (sexuelle) Enthaltsamkeit hochgehalten, während alles Triebhafte gleichsam der Nährboden fürs Böse ist. Unterstützt wird dieser unverhohlene Subtext noch dadurch, dass der Film auf realen Begebenheiten basieren und dass es für die beiden Protagonisten reale Pendants existieren sollen, die bis heute eifrig ihrer Arbeit nachgehen. Mit der entsprechenden Weltsicht ausgestattet, mag das alles aber vielleicht sogar Sinn ergeben.

Fazit: Langweiliger Streifen mit passablen Hauptdarstellern, aber ohne nennenswerten Neureiz, der Altbekanntes in ein furchtbar biederes Korsett packt. Wer auf gepflegten Horror steht, wird mit diesem uninspirierten Aufguss kaum glücklich werden.




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