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Abraham Lincoln Vampirjäger
Abraham Lincoln Vampirjäger
© 20th Century Fox - Hauptplakat

Kritik: Abraham Lincoln Vampirjäger (2011)


Während die ersten Teaser zum neuen "Abraham Lincoln: Vampirjäger" in den Kinos liefen, konnte man große Lacher und stöhnendes Entsetzen hören: Der wichtigste Präsident der Vereinigten Staaten ein Vampirjäger? Was hat der denn geraucht?
Doch wer Timur Bekmambetovs märchenhafte, wie monströs brutale "Wächter des Tages" und "Wächter der Nacht" kennt weiß, dass der russische Fantasy-Action-Regisseur auf mutige Kombinationen steht. Und die von Tim Burton produzierte Adaption eines noch jungen Werkes von Seth Grahame-Smith ist genau das, was Bekmambetov schon immer gemacht hat.
Doch Bekmambetov hat mit dem Film, in dem der Präsident gegen Vampire zu kämpfen hat, mehr im Sinn, als nur spektakuläre Schauwerte zu zelebrieren. "Präsident bei Tag, Jäger bei Nacht" lautet der deutsche Untertitel und zeugt von einer weiteren Ebene, die der Film schaffen will: Er will einen (Comic-)Superhelden erschaffen. Doch dass "Kinobombast im Zack Synder Format" und "heldenhafte Alternativweltgeschichte" (so der Verleih) nicht automatisch zum Erfolg führt, muss Bekmambetov nun schmerzlich herausfinden. .

Das eigentliche Hauptelement eines Vampirstreifens müssten blutrünstige, wie furchteinflößende Vampire sein. Doch die blutsaugenden Freunde aus dem amerikanischen Süden stellen sich als die größte Enttäuschung des Films heraus. Überraschend handzahm gestaltet Bekmambetov seinen Horror, der bei einer solchen Vorlage viel mehr Spielraum geboten hätte. Doch statt die untoten Vampire beim Zuschauer köstlich auszubreiten, hält sich Bekmambetov lieber an typische Slasher-Muster, konstruiert einfache Schockmomente, die aber kaum noch jemanden vom Hocker reißen werden. Dass überrascht insofern, als das man von Bekmambetov viel mehr gewohnt ist, als diese lausige Nullnummer.

Im Gegensatz dazu entfaltet die Alternativweltgeschichte ihr volles Potenzial – wenn auch nur unmerklich. Denn Bekmambetov bemächtigt sich der originalen Reden des 16. Präsidenten, interpretiert sie lediglich um und hält sich sehr genau an die Biographie des ermordeten Staatsmannes – nur mit dem hübschen Nebenaspekt, dass Vampire an jeder Ecke lauern. Die dargebotene Action-Kunst ist in ihrer dazu kommenden dritten Dimension mit den veschwommenen Bildern, knallenden Peitschen und stritzigen Blutfontänen allerdings extrem überladen und dazu auffällig am PC animiert. Und wenn es mal nicht an allen Ecken knallt und der Zuschauer mit übermäßig eingesetzten 3D-Effekten überbelastet wird, versucht der Film teils ruhige Töne anzustimmen, um dem Profil des Präsidenten mehr Ausdruck zu verleihen. Doch diese Profilsuche ertränkt sich leider zum Ende hin in wehleidigem Patriotismus und müdem Pathos.

Gemeinsam mit Tim Burton als Produzent versucht sich Bekmambetov allerdings auch an einer komplizierten Stilübung: Stets bemüht, seinen oftmals überladenden Actioner in visueller Hinsicht vollends auszureizen, versucht Bekmambetov auch die Geschichte im Hintergrund blühen zu lassen. Seiner Hauptfigur will der Regisseur gleichzeitig ein zwielichtiges Superhelden-Flair verleihen, ihn ironisieren und in seinen Stärken wie Schwächen aufblühen lassen. Doch was auf dem Papier womöglich funktioniert, geht im Film nicht auf, weil die Action den so gut agierenden Theaterschauspieler Benjamin Walker förmlich erdrückt und kaum noch atmen lässt. Zudem ist der Plot zu vorhersehbar.

Dennoch scheitert "Abraham Lincoln: Vampirjäger" nicht. Dafür ist das dargebotene Popcorn-Kino zu durchgeknallt und vergnüglich, zu berauschend surreal gemixt und interessant zu bestaunen. Bekmambetovs Streifen darf sich durchaus "außergewöhnlich" auf seine Visitenkarte drucken lassen, schafft es aber nicht, sich über die Erwartungen zu spielen, die seine Vorgängerfilme hinterlassen haben: Das monströse 3D-CGI-Spektakel bietet nicht mehr, sondern deutlich weniger als das bisherige Schaffen des russischen Regisseurs. Für Bekmambetov die Ironie des Schicksals: Bemüht sich selbst zu überbieten, verliert er den Blick auf die Handlung, die mit Abraham Lincoln als Vampirjäger eine eigentlich sehr gute, wenn auch abgedrehte Ausgangsidee besitzt.

Optisch ist der Film fraglos gelungen und bis zur bitteren Schlusspointe ein spaßiges Vergnügen - doch die Schauwerte, die oftmals ins überdreht Fantastische abrutschen oder permanent auf dem Verstand des Zuschauers herumtrampeln, reichen nicht aus. Bekmambetov scheitert an sich selbst - das aber wenigstens auf hohem Niveau.

Fazit: Der Popcorn-Spaß "Abraham Lincoln: Vampirjäger" zelebriert das, was den Regisseur Bekmambetov ausmacht – Superzeitlupe, literweise Blut, Action ohne Hirn – schafft es aber nicht, die eigens gesteckten Ziele zu verwirklichen: Benjamin Walker als Präsident ist mehr Jäger, als Lenker, mehr Schlächter, als Charakter. Der tricktechnische Bombast erschlägt die Superhelden-Geschichte. Wer sein Hirn daheim lässt, kann sich dennoch dran erfreuen.




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