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Albert Nobbs
Albert Nobbs
© Roadside Attractions

Kritik: Albert Nobbs (2011)


Seit die Schauspielerin Glenn Close in den 1980er Jahren in der Männerrolle des Albert Nobbs auf der Bühne stand, träumte sie davon, damit auch ins Kino zu kommen. Auch wenn es bis zur Verwirklichung ihres Herzensprojekts lange dauern sollte, brachte ihr "Albert Nobbs" schließlich eine Oscarnominierung als Beste Hauptdarstellerin ein. Close fungiert bei dem Kostümfilm aus dem Jahr 2011, den der in den USA tätige Kolumbianer Rodrigo García inszeniert hat, gleichzeitig auch als Co-Autorin und Co-Produzentin. Die Rolle beweist ihre große Wandlungsfähigkeit: Man muss wirklich zweimal hinschauen, bis man in dem britisch zurückhaltend wirkenden Butler eine gewisse Ähnlichkeit mit der Schauspielerin entdeckt, wie man sie aus anderen Rollen kennt.

Albert Nobbs ist eine Figur aus einer Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers George Moore. Mit ihr wird eine Epoche wieder lebendig, in der in Dublin viele Menschen in ständiger Angst vor Armut und Obdachlosigkeit lebten. Die Hotelinhaberin, Mrs. Baker (Pauline Collins), nutzt diese Angst als Druckmittel gegenüber ihren Angestellten. Die Hotelgäste sind wahre Herrschaften und die Dienstboten dürfen sich ihnen gegenüber nicht die kleinste Respektlosigkeit erlauben. Viele Szenen loten die sozialen Kontraste im Mikrokosmos des Hotels realitätsnah und mit feinem Humor durchzogen aus.

Bessere Arbeitsmöglichkeiten sind aber nicht der einzige Grund, warum Albert und Hubert als Männer verkleidet herumlaufen. Hubert nutzt die falsche Identität, um eine lesbische Beziehung führen zu können. Alberts Schicksal wurde durch eine schwere Kindheit und ein traumatisches Jugenderlebnis vorgezeichnet. Der Film lässt Vieles an ihm im Unklaren, zum Beispiel, was ihn wirklich zu Helen hinzieht. Allenfalls kann man erahnen, dass Albert auf recht verquere Weise versucht, seine Einsamkeit zu beenden. Und dass er sich von einer Frau wie Helen die eigene Weiblichkeit vorleben lassen will. Eine bewegende Szene führt Albert und Hubert an den Strand, wo sie, von allen unerkannt, Frauenkleider tragen: Für ein paar Minuten legt Albert seine lebenslange Zurückhaltung ab und wird beinahe übermütig.

So gut Glenn Close diese gequälte Figur auch spielt, Albert ist auf Dauer einfach zu still, um mehr als nur bedauert zu werden. Das ganze Drama, das in ihm vorgehen mag, verbirgt sich zu gut hinter seinem schüchternen Lächeln und dem Wunsch, nicht aufzufallen. Selbst der Film rollt irgendwann über ihn hinweg – es gibt schließlich noch andere Figuren, denen das Schicksal übel mitspielt. So wirkt das Drama nicht nur engagiert, sondern auch ziemlich verhalten.

Fazit: Das im Dublin des 19. Jahrhunderts spielende Drama "Albert Nobbs" schildert die Einsamkeit einer Frau, die sich ihr ganzes Leben im Anzug eines Butlers versteckt. Hauptdarstellerin Glenn Close spielt die unscheinbar angelegte Titelfigur berührend in einer zwar engagierten, aber auch recht verhaltenen Inszenierung.





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