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Das Ding am Deich - Vom Widerstand gegen ein...lakat
Das Ding am Deich - Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk - Plakat
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Kritik: Das Ding am Deich - Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk (2010)


Der Dokumentarfilm "Das Ding am Deich" von Antje Hubert widmet sich einem Thema, das nach den Ereignissen im letzten Jahr nicht aktueller sein könnte: der Atomenergie und ihren Folgen für Mensch und Natur. 2011 beschloss die Bundesregierung zuerst längere Laufzeiten für alle Atomkraftwerke, wenig später kam es im japanischen Fukushima zum Super-GAU. Es war eine Zeit, in der "Das Ding am Deich" gerade am entstehen war und durch diese Ereignisse von der Gegenwart auf bedrückende Weise eingeholt wurde. Denn "Das Ding am Deich" wagt zu aller erst einen Blick zurück in eine längst vergangene Zeit, in der die Atomkraft in Deutschland zwar noch kaum verbreitet, die Gefahr der Kernenergie aber bereits längst allseits bekannt war.

Die spannende, informative Dokumentation reist zurück bis in die frühen Siebziger Jahre, als man beschloss, in Brokdorf, einer kleinen Gemeinde in Schleswig-Holstein, ein Atomkraftwerk zu bauen. Gegen die Pläne regte sich in dem Dorf bald erheblicher Widerstand, der schließlich in einer Bürgerinitiative gegen Planung, Bau und Inbetriebnahme des Atomkraftwerks mündete. Es kam zu Protesten, die den Ort spalteten und die gesamte Bundesrepublik für 13 Jahre in Atem hielt. "Das Ding am Deich" schildert die Geschichte und den Kampf dieser Bürgerinitiative und zeigt, was aus den Protestlern von damals geworden ist. Original-Aufnahmen machen die Proteste von damals für den Zuschauer auf eindrucksvolle Weise erlebbar; in Gesprächen mit den Anwohnern 30 Jahre später berichten viele Bewohner auf emotionale Weise davon, wie das AKW das Leben in ihrem Dorf veränderte. Zu Wort kommen etwa die Milchbauern Ali Reimers und Heinrich Voß, der Meteorologe Karsten Hinrichsen oder auch die Architektin Christine Scheer, die alle bereits der damaligen Anti-AKW-Bewegung im Dorf angehörten. In den Aufnahmen treten sie als energische Gegner des Atomkraftwerks auf und hoffen, den Bau der Stahl- und Beton-Monströsität verhindern zu können. Das Wissen um die Tatsache, dass all der Protest und der jahrelange Kampf am Ende doch nicht zum Erfolg führten, sorgt beim Betrachten des alten Filmmaterials für eine melancholisch-bedrückende Stimmung.

Die Interviews mit den Menschen zeugen davon, dass viele resignierend die "Anwesenheit" des Reaktors letztlich akzeptieren mussten, ebenso wie die Niederlage der Bürgerbewegung gegen die Entscheidungen der Politik, als der Meiler im Jahre 1986 – kurz vor Weihnachten und wenige Monate nach der Katastrophe von Tschernobyl – seinen kommerziellen Betrieb aufnahm. Dieser Kontrast zwischen den zornigen jungen Menschen von damals und diesen (mitunter verbitterten, wütenden) Personen im Jahre 2010, heute allesamt fortgeschrittenen Alters, sorgt für eine extrem emotionale Filmerfahrung. Daneben versucht "Das Ding am Deich" Fragen auf den Grund zu gehen, die nicht nur den Ort Brokdorf und seine Anwohner betreffen, sondern alle Menschen, die in unmittelbarer Umgebung und Nachbarschaft eines Atomkraftwerks leben: Wie gestaltet sich das alltägliche Leben im Schatten eines Reaktors und wie schafft man es, sich mit dem ungeliebten "Ding" zu arrangieren, vor allem, wenn man viele Jahre – letztlich ohne Erfolg – dagegen protestierte.

Dank der gelungenen Mischung aus faszinierenden Originalaufnahmen aus den 70er- und 80-Jahren sowie den aufschlussreichen Interviews mit den Bewohnern des Ortes, ist Antje Hubert ein informativer und sehenswerter Film gelungen, der nachhaltig vor Augen führt, welche Gefühle und Ängste die Atomenergie bis heute auslöst.

Fazit: Auf bewegende Weise verarbeitet "Das Ding am Deich" die Geschichte einer kleinen Gemeinde, die jahrelang gegen den Bau eines Atomkraftwerks protestierte. Mit einer Mischung aus faszinierenden Archivaufnahmen und spannenden Interviews zeichnet der sehenswerte Film die Geschichte dieser lokalen Anti-AKW-Bewegung von den Anfängen bis heute nach.




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