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FBW-Bewertung: Beyond punishment (2015)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Am Beispiel von drei Fällen erzählt der Film von Schuld und Sühne und davon, wie die Hinterbliebenen mit dem Verlust eines ermordeten Menschen umgehen. Sind sie dazu in der Lage, den Tätern zu verzeihen? Wie behandelt die Justiz das Thema? Mit einem norwegischen, einem US-amerikanischen und einem deutschen Fall wählt Hubertus Siegert drei unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte. Behutsam nähert er sich den Hinterbliebenen, die die Trauerarbeit nicht abgeschlossen haben. Noch sind Fragen offen, wie es dazu kommen konnte, einem Menschen das Leben zu nehmen. Warum tötete der junge Mann in Norwegen seine Freundin? Warum wurde einem jungen Afroamerikaner in den USA das Leben genommen, nur weil er jemanden beleidigte? Warum wurde Gerold von Braunmühl von der RAF ermordet?
Siegert beschäftigt sich sowohl mit den Opfern als auch den Tätern. Hieran ist bereits zu erkennen, dass es ihm nicht auf einfache Antworten ankommt. Er will die Komplexität der Zusammenhänge erfassen. Dies gelingt ihm auf beeindruckende Weise, indem er den Film seinen Protagonisten anvertraut, so wie diesesich ihm anvertrauen. Der Film ist dramaturgisch geschickt aufgebaut und erzeugt eine enorme Spannung. Den Vater des ermordeten Mädchens in Norwegen versucht Siegert mit dem Täter zusammenbringen. Mit aller Vorsicht geht er dabei sehr respektvoll vor. Doch der Vater kann nicht vergeben. Eine andere Entwicklung nimmt die deutsche Episode, wenn der Sohn von Braunmühls Manfred trifft, der zur Ersten Generation der RAF gehörte. Das Gespräch zwischen den beiden gehört zu den Höhepunkten des Films. Auch die letzten Worte, die die Schwester des in den USA ermordeten jungen Mannes spricht, sindso emotional und so wahrhaftig, dass es einem durch Mark und Bein geht. Erstaunlich, was dem Regisseur hier gelingt.




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