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Kritik: Bastard (2011)


"Bastard" ist der erste Langfilm des Regisseurs Carsten Unger, der mit seinem Werk im Jahr 2011 die Hofer Filmtage eröffnete. "Bastard" kommt also erst jetzt – mit fast 2-jähriger Verspätung – in die deutschen Kinos. An der Qualität des Films kann es sicher nicht liegen, dass diese Mischung aus stimmungsvollem Kriminal-Thriller und psychologischem Kammerspiel in der Machart von "Funny Games" erst jetzt den Weg in die Kinos findet. Eine erstklassige Darsteller-Riege und ein ausgefeiltes Drehbuch machen aus "Bastard" einen sehenswerten Film, der die Hintergründe einer Kindes-Entführung aufzudecken versucht und sich am Ende gar als hochemotionales Familien-Drama entpuppt, das vor allem eines deutlich macht: auf der Suche nach Identität, Liebe und Zuneigung schrecken manche Jugendliche vor skrupellosen Taten nicht zurück.

Schnell wird deutlich, dass es sich bei der Entführung von Nikolas nicht um ein gewöhnliches Verbrechen handelt. Spätestens wenn Nikolas’ Schulfreund, der 13-jährige Leon, zu Hause bei den Eltern des entführten Jungen auftaucht, wird klar: Leon verbirgt ein düsteres Geheimnis und weiß mehr über die Entführung, als er zugibt. Doch was genau hinter seinem merkwürdigen Verhalten steckt, worin seine Motivation besteht und wie das alles mit Nikolas’ Mutter zusammenhängt, eröffnet sich dem Zuschauer erst nach und nach. Regisseur Unger lässt sich über 120 Minuten Zeit, um das dramatische Schicksal von Leon aufzuzeigen und die Hintergründe der Ereignisse zu beleuchten. Dank des penibel ausgearbeiteten Drehbuchs, das zu Beginn noch einigen Raum für Spekulationen lässt, sowie des hervorragenden Casts schleichen sich jedoch zu keinem Zeitpunk Längen in den Film oder kommt gar Langeweile auf.

Besonders hervorzuheben sind die Leistungen der Nachwuchsakteure Markus Krojer als verschlossener, hochbegabter Leon und von Antonia Lingemann als dessen Klassenkameradin Mathilda, die als laszive Lolita auftritt und mit ihren Reizen kokettiert. Die Jugendlichen verbindet, dass sie beide vereinsamte Seelen sind, lediglich auf der Suche nach Zuwendung und eigentlich einer doch jedem Menschen zustehenden Mutterliebe. Was an "Bastard" schockiert sind die Mittel, zu denen die beiden Heranwachsenden greifen, um dieses Recht auf ein harmonisches Familienleben einzufordern. Hier erscheinen die betreffenden Jugendlichen daher nicht als unschuldige kleine Engel, sondern als radikale, gefühlskalte Monster, die mit ihrer entschlossenen Härte erschrecken. Und das muss der Zuschauer erst einmal verdauen.

Fazit: "Bastard" ist eine gewagte, aber stimmungsvolle Mischung aus kühlem Entführungs-Thriller und psychologischem Kammerspiel mit hervorragendem Cast und einem klugen Drehbuch. Das komplexe Szenario offenbart sich erst nach und nach, trifft den Zuschauer am Ende aber mit voller Härte.





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