VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Freakonomics (2010)


Mit über vier Millionen verkauften Exemplaren entwickelte sich das Wirtschaftsbuch "Freakonomics" zum internationalen Bestseller. Seine Autoren Steven Levitt und Stephen Dubner erklären nun auch in einem Kinopublikum, warum es sich lohnt, einen intensiven Blick auf Statistiken zu werfen, um zu neuen Erkenntnissen über das Funktionieren der Gesellschaft zu gelangen. Gleich sechs verschiedene Dokumentarfilmer sind an diesem Werk beteiligt.

Regisseur Seth Gordon lässt in seiner Einleitung und den Überleitungen zwischen vier Segmenten vor allem Levitt und Dubner selbst zu Wort kommen. Morgan Spurlock steuert ein Kapitel bei über die unterschiedlichen Namensvorlieben in der weißen und der schwarzen amerikanischen Bevölkerung. Alex Gibney geht in seinem Segment den Betrugsfällen im japanischen Sumo-Ringkampf nach. Eugene Jarecki widmet sich dem am meisten angefochtenen Befund des Buches: den Einfluss, den die Legalisierung der Abtreibung auf die Kriminalitätsrate in den USA hatte. Rachel Grady und Heidi Ewing schließlich dokumentieren über das Buch hinaus ein Experiment an einer Schule in Chicago: Neuntklässler sollen dort mit Geldprämien zu besseren Leistungen angespornt werden.

Die verschiedenen Beiträge halten sich eng an die Daten und Thesen der Buchvorlage, die sie auch in ihrem unterhaltenden, humorvollen Stil nachahmen. Dabei macht sich der Film die Verblüffung positiv zunutze, die entsteht, wenn sich unser Alltagswissen als irreführend entpuppt. Das Sammelsurium aus Einzelbefunden, die Levitt und Dubner liefern, wirkt jedoch wie ein oberflächlicher Streifzug durch das Universum von Daten und Erhebungen. Man erkennt beispielsweise keinen Zusammenhang zwischen dem Thema Kriminalitätsrate und dem Kapitel über die Vornamen.

Ein großes Problem des Films ist die Präsentation des Datenmaterials: Vor lauter Tabellen und Zahlenvergleichen können sich einzelne Segmente kaum retten, auch wenn sie noch so viele witzige oder innovative Präsentationsformen bemühen. Diverse Tricksequenzen, Mischungen von Realaufnahmen und Grafiken und eine hohe Schnittfrequenz schaffen auch Verwirrung, wenn es dabei immer wieder um Rechnungen geht. So muss der Zuschauer, wenn er ins Nachdenken kommt, womöglich doch zum Buch greifen.

Fazit: Sechs verschiedene Dokumentar-Regisseure stellen sich in "Freakonomics" der Herausforderung, das vor Zahlen strotzende gleichnamige Sachbuch zu verfilmen. In flottem Tempo hauen sie einem humorvolle Präsentationen verblüffende Befunde des Wirtschaftswissenschaftlers Steven Levitt um die Ohren, denen man nur oberflächlich folgen kann.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.