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Kritik: Momo (1986)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Croco Filmverleih hat sich auf Wiederaufführungen spezialisiert. Neben Westernklassikern wie "Der Schatz im Silbersee" (1962) oder dem ebenfalls im Oktober 2019 startenden Bud-Spencer-und-Terrence-Hill-Klamauk "Zwei Missionare" (1974) bringen die Berliner hauptsächlich Kinderfilme zurück in die Kinos. Mit "Momo" (1986) können die kleinen und großen Zuschauer nun eine echte Perle des Genres auf der großen Leinwand erleben, die auch drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung immer noch faszinierend funkelt.

Im Gegensatz zu anderen Kinderfilmen, etwa "Pumuckl und der blaue Klabauter" (1993/94), ist Johannes Schaafs Verfilmung von Michael Endes Bestseller wunderbar gealtert. Das hat in erster Linie etwas mit dem hohen Budget zu tun. Als deutsch-italienische Co-Produktion in den Cinecittà-Studios in Rom gedreht, versammelt die Horst-Wendlandt-Produktion vor und hinter der Kamera geballte Fachkompetenz.

Schon der Cast beeindruckt. In der Rahmenhandlung erzählt John Huston als Meister Hora dem Autor der Buchvorlage dessen eigene Geschichte. Im Gegensatz zu seiner "Unendlichen Geschichte" war Michael Ende mit der filmischen Umsetzung von "Momo" zufrieden und zu diesem kleinen Gastauftritt bereit. In der Haupthandlung selbst trifft die Hollywoodgröße Huston in seiner letzten Kinorolle dann auf die Debütantin Radost Bokel, der diese Figur geradezu auf den Leib geschrieben scheint. Ähnlich wie Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf oder Hanna Zetterberg als Ronja Räubertochter kann man sich niemand anderes als Bokel in der Rolle der zuhörenden Antiheldin Momo vorstellen. Leopoldo Trieste als Beppo Straßenkehrer, Bruno Stori als Gigi, Mario Adorf als Maurer Nicola und Armin Mueller-Stahl und Sylvester Groth als schaurige graue Herren runden das toll besetzte Ensemble ab.

Aus heutiger Sicht mag die Handlung mit der ungewohnt passiven Hauptfigur und den vielen retardierenden Momenten etwas langatmig und schleppend erscheinen. Damit spiegelt sie aber vortrefflich das Thema des Films. Michael Ende wollte laut eigener Aussage einen Heldentypus schaffen, der sich nicht durch seine Tätigkeit, sondern durch sein Dasein auszeichnet. Einem gehetzten Alltag, in dem Zeit Geld ist, wie es die grauen Herren formulieren, setzt Momo das fantasievolle Nichtstun entgegen. Dank Schaafs konzentrierter Regie, Danilo Donatis einfallsreicher Ausstattung und Xaver Schwarzenbergers mal in gedämpften Pastelltönen, mal in kühlen Kontrasten leuchtenden Bildern regt das auch 33 Jahre nach dem ersten Kinoauftritt immer noch zum Träumen an.

Fazit: Dieser Kinderfilmklassiker wird wie seine Vorlage einfach nicht alt. Auch 33 Jahre nach seiner Premiere verzaubert "Momo" sein Publikum mit einer traumhaften Welt in traumhaft gefilmten Kulissen, wunderbaren Darstellern und einer fantasievollen Geschichte. Ein Muss für kleine und große Träumer.




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