VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The Future
The Future
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: The Future (2010)


Sophie und Jason sind Mitte 30 und seit vier Jahren ein Paar. Sie arbeitet als Tanzlehrerin, er als Telefon-Support, sie leben in einer durchschnittlich hippen Wohnung und verbringen ihre Freizeit meist im Internet. Im Grunde genommen langweilen sie sich in ihrem Leben, aber sie gestehen es sich nicht ein. Denn es ist ein ruhiger, nur manchmal beunruhigender Schwebezustand, in dem sie sich befinden. Dann treffen sie eine Entscheidung: Sie wollen die Katze, die sie verletzt im Tierheim abgegeben haben, bei sich aufnehmen. Eine große Verantwortung – aber vermutlich wird die Katze ohnehin nur noch sechs Monate leben. Als sie erfahren, dass die Katze bei guter Pflege doch gut und gerne fünf Jahre leben kann, brechen sie in Panik aus. In fünf Jahren sind sie schließlich schon 40, das ist fast 50. Und danach kommt kaum noch etwas. Plötzlich wird ihnen die Leere ihres Lebens bewusst. Sie sehen sich mit der Tatsache konfrontiert, dass es kein „vorübergehend“ mehr in ihrem Leben gibt. All ihre Träume – die Welt retten, berühmt werden oder wenigstens etwas Wichtiges tun – können sie kaum mehr verwirklichen. Glücklicherweise dauert es noch einen Monat, ehe die Katze zu ihnen kommt. Diese Zeit müssen sie nutzen. Also kündigen sie ihre Jobs und wollen sich selbst verwirklichen. Aber ihre Versuche sind in sich schon bedeutungslos – und entlarven Sophies und Jasons Leere: Sophie will bei YouTube 30 Tanz-Clips in 30 Tagen einstellen, scheitert jedoch am ersten Video. Jason beschließt, Bäume in Los Angeles zu verkaufen – und ist äußerst erfolglos.
„The Future“ ist ein eigentümlicher Film über das vermeintlich typische Leben heutiger Mittdreißiger, deren Lebensweisen vor allem von der Suche nach Aufmerksamkeit und Leere bestimmt sind. Dabei enthält der zweite Spielfilm der 37-jährigen Künstlerin Miranda July viele charmante Ideen. Beispielsweise ist die Katze, die im Tierheim geduldig auf Sophie und Jason wartet, die Erzählerin. Oder ein gelbes T-Shirt wird zum Sinnbild des langweiligen Lebens. Doch insgesamt ist dieser Film eine Spur zu brav und selbstverliebt ausgefallen.
„The Future“ spielt in einer aus vielen Independentfilmen bekannten Welt, die bewährten Zutaten werden aber zu selten ironisch gebrochen. Auch als Versuchsanordnung überzeugt die Inszenierung nicht, dafür enthält der Film zu viele Drama-Elemente. Durch diese unschlüssige Konzeption lässt das Interesse an den Figuren nach. Zumal ihre Beziehung letztendlich nur ein Ausweg aus der Leere ihrer Leben zu sein scheint. Und so bleibt am Ende des Films wenigstens die leise Hoffnung, dass sie alleine in eine selbstbestimmte Zukunft aufbrechen können.

Fazit: Mit einer bissigeren Inszenierung hätte „The Future“ von Miranda July ein guter Film über das Leben der Mittdreißiger werden können. Aber leider bleibt er insgesamt zu blass.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.