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Wer, wenn nicht wir
Wer, wenn nicht wir
© Senator Film

Kritik: Wer, wenn nicht wir (2010)


Mit "Black Box BRD" legte Andreas Veiel 2001 einen hochgelobten Dokumentarfilm über die RAF vor. In den darauf folgenden Jahren beackerten auch andere Filmemacher das Thema RAF, zuletzt Uli Edel mit seinem "Der Baader-Meinhof-Faktor" (2008). Regisseur Veiel, den die RAF auch nach Abschluss seiner Doku offenbar nicht losgelassen hat, hat dann aber trotzdem noch ein Buch gefunden, dass dem Thema neues abgewinnen kann: Gerd Könens "Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus". Veiel nutzte die Biographie für sein Drehbuch zu seinem Spielfilm-Debüt "Wer wenn nicht wir", dass sich auf die privaten Irrungen und Wirrungen zwischen den langjährigen Verlobten Vesper und Ensslin, und dem später hinzustoßenden Baader, mithin auf die Vorgeschichte der RAF-Gründung, konzentriert.

Auf den ersten Blick ist Veiels Historiendrama, auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerbsprogramm präsentiert, optisch wie inhaltlich vor allem eins: So richtig typisch deutsch. Nicht nur, dass sich die Darsteller, wie in nahezu jedem deutschen Film den ich dieses Jahr auf der Berlinale gesehen habe, innerhalb kürzester Zeit ihrer Kleidung entledigen (einzige Ausnahme war "Almanya - Willkommen in Deutschland"). Nein, der Film ist auch noch spröde, blass, schier endlos, geschichtsverliebt. Soll heißen: Unterhaltungskino sieht anders aus. Schrill einzig die Topffrisuren die Veiel seine Hauptdarsteller zur Schau tragen lässt.
Aber: Wo Uli Edels RAF-Streifen "Der Baader-Meinhof-Komplex" für all jene, die mit der Geschichte der RAF nicht vollumfänglich vertraut sind, reichlich verwirrend daherkam, gelingt es Veiel mit seiner Konzentration auf einige wenige Akteure einigermaßen verständlich zu bleiben. Zudem legt Veiel sein "Wer wenn nicht wir" komplett anders an als Edel seinen "Baader-Meinhof-Komplex": HIer gibt es kein "Terroristen-Name-Dropping" und keine coolen, im Stile eines Action-Films inszenierten Anschläge. Veiels Film ist vielmehr eine vor historischem Hintergrund angesiedelte, fast dokumentarisch anmutende Charakterstudie zweier Menschen die sich vorhersehbar gegegenseitig in den Untergang treiben.

Da die Hauptdarsteller August Diehl und Lena Lauzemis recht eindringlich zu spielen verstehen, ist das an sich auch recht spannend. Allerdings muss auch Veiel der schieren Masse an Ereignissen, die er gezwungenermaßen in seine Story einbaut, Tribut zollen: Nicht, wie Edel, mit heilloser Verwirrung seiner Zuschauer, sondern vielmehr mit einigen unschönen Längen, die einen mit der Zeit dann doch unruhig auf dem Stuhl herumrutschen lassen.

Fazit: Für zeitgeschichtlich Interessierte mit ein wenig Geduld hat Veiels Drama "Wer wenn nicht wir" einiges zu bieten - wer einfach nur auf Unterhaltung aus ist, sollte einen anderen Film wählen.





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