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In the Darkroom
In the Darkroom
© Real Fiction

Kritik: In the Darkroom (2010)


Die Dokumentation "In the Darkroom" beleuchtet die Rolle und Bedeutung von Magdalena Kopp, der Ex-Frau des ehemals meistgesuchten Terroristen der Welt, Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt unter dem Namen Carlos. Schwerpunkt der Dokumentation des israelischen Filmemachers Nadav Schirman ist dabei nicht das Leben des Terroristen Carlos, sondern der Person, die ein Leben lang im Schatten, "In the darkroom", des großen Verbrechers stand. In dem Film blickt die Deutsche zurück auf ihr bewegtes Leben und versucht sich kritisch mit der Frage auseinanderzusetzen, inwieweit sie selbst Schuld an den schlimmen Ereignissen vergangener Zeiten trägt.

Mit einer Mischung aus Interviews, Zeitzeugenberichten, Videoaufnahmen und Original-Dokumenten (Zeitschriften-Cover, Fotos etc.) der damaligen Zeit, zeichnet Regisseur Schirman das vielschichtige und packende Bild einer komplexen Person, die jahrelang an der Seite des Top-Terroristen Carlos lebte. Mord und Verbrechen waren ein enger und fast alltäglicher Begleiter der Frau, die, nach all den Jahren, äußerst kritisch auf ihr eigenes Leben blickt und sich mittlerweile eine Teilschuld an den damals verübten Verbrechen gibt.

Besonders nachdrücklich und einnehmend wirkt dabei das von Schirman eingesetzte Stillmittel der direkten Konfrontation von Kopp mit dem Zuschauer: Kopp spricht frontal zum Zuschauer, und wendet sich – sozusagen als direkter Gesprächspartner – unmittelbar an ihn. Fast scheint es so, als säße Kopp auf einer Art dokumentarischem Beichtstuhl, als bitte sie den Zuschauer für ihre Liebe zu Carlos um Vergebung. "In the Darkroom" gelingt es dabei ohne Probleme schnell, das Interesse des Zuschauers weg von Carlos auf seine erste Frau, Magdalena Kopp, zu lenken. Schwung gelangt zudem in die Doku, als Schirman jene Person auftreten lässt, die Kopp bis für alle Zeiten mit Carlos verbinden wird: ihre gemeinsame Tochter Rosa. Rosa Kopp ist es, die im letzten Drittel des Films eine ganze Reihe an spannenden, hochinteressanten Fragen (Wie lebt es sich als Tochter eines Top-Terroristen? Wie gestaltet sich das Verhältnis zur Mutter? Wird die Mutter als Mittäterin angesehen? etc.) aufwirft und (authentische) Emotionen zeigt, die man als Zuschauer jederzeit nachempfinden kann.

Fazit: Ehrliche und bewegende Doku über die erste Frau des Top-Terroristen Carlos, die sich an die gemeinsame Zeit mit dem Schwerverbrecher erinnert und die Frage nach der eigenen Verantwortung stellt.




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