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Goodbye First Love
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© 2012 Sundance Selects

Kritik: Un amour de jeunesse (2011)


Die 15-jährige Camille (Lola Créton) liebt den vier Jahre älteren Sullivan (Sebastian Urzendowsky) von ganzem Herzen. Das ist in "Un amour de jeunesse" von der französischen Regisseurin Mia Hansen-Løve nicht einfach eine Floskel, sondern eine Beschreibung der Protagonistin. Camille richtet ihr gesamtes Leben nach Sullivan aus. Sobald sie aus der Schule kommt, wartet sie auf ihn – alleine unternimmt sie nichts. Vielmehr ist diese Liebe die Erfüllung ihres Daseins. Auch Sullivan liebt Camille, aber er sehnt sich zudem nach Erlebnissen und Erfahrungen. Daher plant er mit Freunden eine zehnmonatige Reise durch Südamerika. Für Camille ist diese zeitweilige Trennung ein Schock, aber Sullivan lässt sich von seinen Plänen nicht abbringen. Als er fort ist, geht Camille jeden Tag zum Briefkasten, in der Hoffnung, Sullivan hat ihr geschrieben. Sie verfolgt seine Reise auf einer Landkarte – und wartet auf ihn. Dann erhält sie eines Tages eine kurze Nachricht, dass er sich von ihr trennen will.

In diesem ersten Drittel des Films erzählt Mia Hansen-Løve in schönen Bildern von der ersten großen Liebe. Der betonten Körperlichkeit des Teenager-Paares steht der ständige Konflikt gegenüber, dass Sullivan nach Camilles Meinung sie nicht ausreichend liebt. Ist man hier durchaus geneigt, Camilles Verabsolutierung dieser Liebe als romantisches Teenager-Sein abzutun, verändert der Film seinen Ton. Camille wird langsam erwachsen und findet in dem älteren Architekten Lorenz (Magne-Havard Brekke) eine neue Liebe, die ihr Stärke verleiht. Dabei ist diese Beziehung von Anfang an deutlich anders angelegt: Körperliche Intimität wird nicht gezeigt, vielmehr nähern sie sich auf intellektuelle Weise an. Dabei wirkt Camille in Lorenz‘ Nähe überlegt und gefasst. Doch dann tritt Sullivan wieder in ihr Leben – und die große Liebe sowie Leidenschaft ist wieder da. Dabei ist bemerkenswert, dass Camille sich vom vermeintlich schwächeren Part der Teenagerliebe letztlich als stärkere Persönlichkeit erweist, die die Intensität dieses Gefühls aushalten kann.

Mia Hansen-Løve verzichtet auf große Dramatik, dadurch ist der gesamte Film natürlich und auch authentisch. Dennoch ist Camilles tief empfundene Liebe für Sullivan nur schwer nachzuvollziehen, zumal die Hauptfigur rätselhaft bleibt. An ihrem Gesicht sind kaum Emotionen abzulesen, daher muss man sich auf die Umgebung konzentrieren. Dadurch wird die Architektur zwar zu einer schönen Metapher für Camilles Innenleben, aber sie bleibt dem Zuschauer bis zum Schluss fremd. Und diese Distanz wird durch den abrupten Schluss noch verstärkt.

Fazit: In "Un amour de jeunesse" erzählt Mia Hansen-Løve ohne dramatische Höhepunkte von der großen Liebe und dem Erwachsenwerden einer jungen Frau.




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