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Dame, König, As, Spion
Dame, König, As, Spion
© Studiocanal

Kritik: Dame, König, As, Spion (2011)


Es gibt einen Verräter im britischen Geheimdienst! Auf fünf Verdächtige hat der legendäre MI6-Chef Control (John Hurt) das Feld der Maulwürfe schon eingegrenzt: der schneidige Bill Haydon (Colin Firth), der ehrgeizige Percy Alleline (Toby Jones), der eifrige Roy Bland (Ciaràn Hinds), der dienstfertige Toby Esterhase (David Dencik) und sein Vertrauter George Smiley (Gary Oldman) kommen als Verräter in Frage. Doch dann münden Controls Nachforschungen in einer Katastrophe, er wird abgesetzt und seine rechte Hand Smiley in den Ruhestand gezwungen. Wenig später verdichten sich die Hinweise, dass Control mit seinem Verdacht richtig lag. Daher wird Smiley, dessen Unschuld durch seine Pensionierung erwiesen ist, reaktiviert. Er soll den Verräter im Führungszirkel des MI6 aufzuspüren. Denn wer könnte einen Spion besser ausspionieren als ein Spion?

Die Verfilmung von John Le Carrés erfolgreichen Roman "Dame, König, As Spion" ist ein komplexer Verschwörungsthriller, der zur Zeit des Kalten Krieges spielt. Dabei gelingt dem schwedische Regisseur Tomas Alfredson auf Basis der hervorragenden Drehbuchadaption von Bridget O’Connor und Peter Straughan und mit einem herausragenden Produktionsdesign einen spannenden, modernen Film zu drehen, der zudem die beklemmende Atmosphäre der vergangenen Jahre wieder lebendig werden lässt. Die verwaschenen Bilder verdeutlichen den grauen Agentenalltag und passen hervorragend zu dem auf den ersten Blick unscheinbaren Helden des Films. Dabei übersetzt die Kamera die erzählerische Komplexität des Romans auf die Leinwand, indem sie mit fließenden Bewegungen und Übersichtseinstellungen den Zuschauer in das London der 1970er Jahre und das Labyrinth des Geheimdienstes einführt, in anderen Einstellungen hingegen in unwahrscheinliche Winkel und Ritzen schlüpft. Im Zusammenspiel mit dem unterkühlten, jazzigen Soundtrack entsteht eine verrauchte, mitunter bedrohliche Atmosphäre, in der Gary Oldman als schlauer George Smiley agiert. Er ist ein Beobachter, der aus dem Verborgenen heraus das Geschehen kontrolliert. Dabei lässt Oldman allein mit seiner Mimik erkennen, dass auch Smiley Abgründe hat, sie aber gut verbergen kann. Und wenn Smiley den Verräter enttarnt hat, kommt es zu einer unvergesslichen Szene, die die Brillanz dieser Schauspieler deutlich macht.

Und als wäre es nicht herausfordernd genug, die vielen Zeitsprünge der gleichnamigen bekannten Romanvorlage von John Le Carré zu meistern, bauen Thomas Alfredson und seine Drehbuchautoren noch eine Episode ein, die der Roman nicht enthält: Es ist der Rückblick auf eine Weihnachtsfeier im Circus. Dort sind die wichtigen Figuren beim Feiern zu sehen, sie trinken, singen und lachen. Immer wieder kehrt Alfredson zu dieser Episode zurück. Sie hilft, die mitunter schwierigen Beziehungen der einzelnen Figuren zu erinnern und und untermalt zusätzlich die Melancholie, die diesen Film durchzieht. Dadurch scheint diese Rückblende fast wie eine Folie für diesen Film, eine Rückkehr zu einer vermeintlich glücklichen Zeit. Aber schon damals musste ein Maulwurf unter ihnen sein.

Fazit: Die moderne, stilistisch bemerkenswerte Neuinterpretation von "Dame, König, As, Spion" ist ein unterkühlter, ruhig erzählter Film, bei dem der Zuschauer der komplexen Handlung konzentriert folgen muss. Und er überzeugt auf ganzer Linie.





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