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Rosia Montana - Dorf am Abgrund
Rosia Montana - Dorf am Abgrund
© Bildfolge Filmproduktion

Kritik: Rosia Montana - Dorf am Abgrund (2010)


"Roșia Montană" ist das Langfilm-Debüt des Regisseurs und Drehbuchautoren Fabian Daub, auf dessen Konto bereits eine ganze Reihe an kurzen und mittellangen Spielfilmen und Dokumentationen gehen. In seiner beeindruckenden Dokumentation "Roșia Montană" schildert er den Kampf einer kleinen Gruppe von Dorfbewohnern, die sich mit aller Macht gegen die Zerstörung ihres uralten Karpatendorfes und der wunderschönen Bergnatur zur Wehr setzen. Auf nüchterne und angenehm zurückhaltende Weise porträtiert Daub das idyllische Bergdorf und seine Bewohner und lässt in seinem Film auch Vertreter der Gegenseite zu Wort kommen. Somit nähert sich Daub auf neutrale und objektive Weise dieser spannenden Auseinandersetzung und überlässt es dem Zuschauer, auf welche Seite er sich stellt. Und diese Entscheidung fällt bei genauerer Betrachtung des Konflikts alles andere als leicht: Auf der einen Seite steht der Großkonzern mit seinen ausländischen Geldgebern, die an den Goldvorkommen in der Erde interessiert sind und zu diesem Zweck eine gigantische Tagebaumine errichten wollen. Mine und Goldabbau würden die Region wirtschaftlich stärken und zudem tausende neuer Arbeitsplätze schaffen. Demgegenüber stehen jedoch die wenigen übrig gebliebenen Bewohner von Roșia Montană, die um ihr Land kämpfen und befürchten, dass das zur Goldgewinnung eingesetzte hochgiftige Zyanid die Natur unwiederbringlich zerstören könnte.

In langen Einstellungen und prachtvollen Bildern von der herrlichen Natur des siebenbürgischen Erzgebirges führt Daub dem Zuschauer gleich zu Beginn die Schönheit der Region eindrucksvoll vor Augen. Begleitet man die Kamera bei Ihrem Flug über die imposanten Bergwelten und endlosen Landschaften, so mag man sich kaum vorstellen, dass all dies in naher Zukunft vielleicht zerstört wird. Daub sprach für "Roșia Montană" mit einer Vielzahl an Bewohnern, die tapfer in ihren Häusern ausharren, führte aber auch Gespräche mit ehemaligen Einwohnern, die ihre Häuser mittlerweile verkauft haben und in eine der umliegenden Städte gezogen sind. So z.B. mit einer Frau, die das Dorf schweren Herzens verlassen hat und nun unter Tränen davon berichtet, dass ihr altes Haus abgerissen wird. Diese Gespräche sind bedrückend, intensiv und machen nachhaltig deutlich, wie eng die Menschen in der Region mit ihrer Heimat verbunden sind. Sachlicher fallen da schon die Äußerungen des Konzernmitarbeiters aus, der von den 340 Tonnen Gold und 1600 Tonnen Silber spricht, die sich noch unter dem Dorf und der Umgebung befinden. In seinem Film ergreift Daub für keine der beiden Seiten Partei sondern schildert mit dem nötigen Abstand und der erforderlichen Distanz diesen Kampf um Wirtschaftlichkeit und Reichtum auf der einen, und Heimat, Geschichte und Identität auf der anderen Seite.

Fazit: Spannend und informativ erzählt die Dokumentation "Roșia Montană" vom erbitterten Kampf einer kleinen Gruppe von Dorfbewohnern um ihre Heimat und Geschichte.





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