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The Man With the Iron Fist
The Man With the Iron Fist
© Universal Pictures Germany

Kritik: The Man With the Iron Fists (2011)


Kann das überhaupt was geben, wenn ein Rap-Musiker und Gelegenheitsschauspieler einen Film inszeniert? RZA (Robert Diggs) war bei "The Man with the Iron Fists" nicht nur als Regisseur tätig, darüber hinaus tritt er auch als einer der Protagonisten in Erscheinung und schrieb gemeinsam mit Eli Roth (seines Zeichens Regisseur, Produzent und Schauspieler), dem man solche Filme wie "Hostel" oder "Cabin Fever" zu verdanken hat, das Drehbuch. Produziert wurde das Ganze dann von keinem geringeren als Quentin Tarantino. Dessen Handschrift merkt man dem Werk mitunter auch an.

"The Man with the Iron Fists" präsentiert sich als waschechter Martial-Arts-Trash im Stile der klassischen Eastern der 70er-Jahre. Anleihen nimmt der Film im Western-Genre, beim japanischen Samuraifilm, samt Gemetzel- und Blutfontänen-Orgien, und auch im Märchen- oder Fantasyfach. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dabei ein abgelegenes Dorf und ein kunstfertiger Waffenschmied (RZA), den rivalisierende Clans im feudalen China des 18. Jahrhunderts immer wieder zwingen, für ihre brutalen Auseinandersetzungen Waffen herzustellen. Der Schmied fügt sich, vor allem deshalb, da er mit dem Geld, dass er für die geleistete Arbeit erhält, seine Liebste aus dem Freudenhaus (das überdies Dreh- und Angelpunkt der Handlung scheint) von Madame Blossom (Lucy Liu) freikaufen möchte, um mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Als eines Tage ein Goldtransport des Kaisers überfallen wird und das Raubgut in diesem Dorf landet, bricht die Hölle los. Der Schmied findet sich plötzlich zwischen allen Fronten wieder, und der einzige Mensch, dem er jetzt noch vielleicht vertrauen könnte, ist der mysteriöse Jack Knife (Russel Crowe). Der scheint jedoch auch nur das Gold im Sinn zu haben.

Als Aufguss kultiger Hong-Kong-Movies ist "The Man with the Iron Fists" im Grunde gar nicht schlecht gelungen. Zumal er mit Russel Crowe und Lucy Liu mit etwas Hollywoodprominenz aufwarten kann. Crowe sieht allerdings mit Vollbart, ordentlichem Bauchansatz und Hut, aus ein paar Metern Entfernung, Jürgen von der Lippe mittlerweile recht ähnlich; und streng genommen, scheint seine Hauptfunktion darin zu bestehen, als Namensträchtiges Zugpferd den Film durch seine bloße Anwesenheit aufzuwerten. Liu passt sich in die Rolle der durchtriebenen Puffmutter allerdings gnadenlos gut ein. Irritierenderweise geht sich der Streifen aber dafür, dass sich unheimlich viele Szenen in einem Bordell abspielen, sehr prüde an, beinahe schon etwas steril. Etwas mehr an Schmutz und an veruchtem Touch hätte dem Film atmosphärisch sicherlich nicht geschadet.

Langweilig ist der Film zumindest nicht. Obschon ein paar Längen nicht ausbleiben. Man muss die Art martialisches Genrekino jedoch mögen. Selbst wenn die Gewalt und Brutalitäten comichaft überzeichnet sind, bleibt es dennoch eine blutige Angelegenheit. Insgesamt sind Action und Martial-Arts-Einlagen zwar gefällig, aber lange nicht spektakulär genug, um Maßstäbe zu setzen. Was das angeht, hält man sich eindeutig besser an Filme wie "Tiger & Dragon" oder "Hero". Zu sehr wurde zudem darauf geachtet, den Film handwerklich bescheidener aussehen zu lassen, als mit den eingesetzten Mitteln notwendig gewesen wäre. So sind die Kampfszenen manches mal leicht verwaschen, der Fokus, der Bildausschnitt oder die Tiefenschärfe nicht optimal, und die Perspektive hätte zuweilen auch besser gewählt sein können. Sogar die Kamera wackelt manchmal, als wäre es nicht möglich, sie ruhig zu halten. Das alles soll sicherlich den speziellen Retro-Charme unterstreichen und an die alten Streifen, die als Vorlage dienten, erinnern. Stellt sich jedoch die Frage, warum dann nicht gleich zu den kultigen Kung-Fu-Schinken wie "Drunken Master", "Der Knochenbrecher" oder "Die 36 Kammern der Shaolin" greifen? Mit seiner Story kann "The Man with the Iron Fists" jedenfalls nicht wirklich punkten.

Fazit: Knalliger und actionreicher aber nicht wirklich notwendiger 70er-Eastern-Fantasy-Mix. "The Man with the Iron Fists" wartet zudem mit Hollywood-Superstar Russel Crowe auf, ohne dass dessen Mitwirkung wirklich unabdingbar gewesen wäre. Und dafür, dass sich ein Gutteil der Handlung in einem Bordell abspielt, wirkt das Ganze leidlich unterkühlt. Lasziv sieht jedenfalls anders aus.




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