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Kritik: Kaiserschmarrn (2012)


Zwischen Sein und Schein herrscht bekanntlich oft ein großer Unterschied. Den netten Heimatfilm-Darsteller Zacharias Zucker, den Oma Heidrun im Fernsehen bewundert, gibt es in Wirklichkeit nicht. Denn sobald die Kameras nicht mehr auf ihn gerichtet sind, legt der Dicke im Trachtenlook keinen Wert mehr auf gutes Benehmen. Am Filmset wird dem miesen Choleriker jeder Wunsch erfüllt, denn er ist als Star die Nummer 1 in der Hackordnung. Die Trash-Komödie von Regisseur Daniel Krauss nimmt die Filmbranche satirisch kräftig auf die Schippe und führt sie als Haufen eingebildeter Opportunisten vor.

Am Set des Heimatfilms gehört es, wie Alexander schnell lernt, zum guten Ton, sich schlecht zu benehmen. Wer etwas auf sich hält, muss die anderen herunterputzen, schon um den eigenen Rang zu demonstrieren. Weil ihr Sender als Geldgeber fungiert, spielt sich die TV-Redakteurin (Gerit Kling) mächtig auf. Die Komödie entwickelt sichtlich Spaß daran, das Verhalten der meisten in dieser Hierarchie Gefangenen als rücksichtslos und berechnend zu karikieren. Grelle Übertreibungen werden nicht gescheut, was stilistisch wiederum ganz gut zu dem parallelen Pornodreh mit seiner thematischen Triebhaftigkeit passt. Beim Heimatfilm aber sind die Leute verkommener – das ist die provokante Kernaussage dieser Film-im-Film-Konstruktion.

Mit rotstichigen, übersättigten Farben wird der in unzähligen alten Heimatschinken verbreitete Kitsch bespöttelt. Optisch wie inhaltlich bleiben Schrägheit und Trash eng verbunden. Grober Fäkalhumor, tölpelhafte Charaktere und unwahrscheinlichere Fügungen als im Bauerntheater gehören dazu und halten das allgemeine Niveau recht flach. Das schmälert den Genuss der gelungeneren satirischen Ideen und lässt den Eindruck entstehen, dass die Komödie ihr Thema unter Wert verkauft und irgendwie auf halber Strecke stecken bleibt.

Fazit: Die deftig-derbe Satire auf die Filmbranche spult ihren Trash-Humor vor der idyllischen Kulisse des Wörthersees ab und spielt dabei mit provokanten Gegensätzen. Die guten Ideen können sich aber wegen plumper Fügungen und minderbemittelter Figuren nicht richtig entfalten.





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