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Fenster zum Sommer
Fenster zum Sommer
© Prokino

Kritik: Fenster zum Sommer (2011)


Juliane (Nina Hoss) und August (Mark Waschke) reisen zusammen durch Finnland und verleben eine traumhafte Zeit. Es ist Sommer, sie sind glücklich und verliebt. Dann erwacht Juliane plötzlich in ihrem Bett in einer Wohnung in Berlin. Es ist Winter, sie lebt wieder mit ihrem Freund Philipp (Lars Eidinger) zusammen und ihre Freundin Emily (Fritzi Haberlandt) ist nicht bei einem Unfall gestorben. Hat sie die letzten sechs Monate nur geträumt?

Juliane begibt sich auf die Suche nach ihrer Zukunft – und versucht herauszufinden, ob sie die Liebe zu August nur geträumt hat. Doch es gibt ihn wirklich, den Mann ihres Lebens. allerdings erkennt er sie nicht. Was soll sie nun machen? Gibt es nur einen Weg in die Zukunft – oder werden die Ereignisse ohnehin eintreffen?

Aus diesen Fragen entwickelt Regisseur und Drehbuchautor Hendrik Handloegten in „Fenster zum Sommer“ ein reizvolles Gedankenspiel über die Bedeutung von Zufall und Schicksal, in dem das berühmte „Was wäre wenn?“ über allem steht. Was wäre, wenn wir eine Zeit unseres Lebens noch einmal leben würden? Würden wir es besser machen – oder wenigstens anders? Anfangs folgt Julia dem Rat von Emilys Sohn Otto (Lasse Stadelmann), der überzeugt ist, dass sie nicht jeden Tag der letzten sechs Monate genauso leben muss. Sie muss nur an dem entscheidenden Tag alles noch einmal machen. Daher versucht Juliane, es besser zu machen: Sie trennt sich von ihrem Freund Philip und in dem entscheidenden Gespräch fallen offene, ehrliche Worte. Anschließend führt sie ein Treffen mit August herbei, doch sie hat nicht den gewünschten Erfolg. Dieses Scheitern verunsichert sie, sie hat Angst, dass sie den Mann ihres Lebens verpassen könnte. Also will sie das Schicksal nicht durch eine falsche Tat beeinflussen, sondern alles genau wiederholen. Dieser Zwang, alle Handlungen noch einmal zu machen, lässt sie verzweifeln, sie fürchtet, an einer Kleinigkeit wie der Auswahl des richtigen Essens zu scheitern, und bricht schließlich zusammen. Dabei gelingt es Nina Hoss, dem Zuschauer diese schwierige Frau näher zu bringen, indem sie Juliane mit viel Stärke und zunehmender Zerbrechlichkeit spielt.

Auch die Inszenierung drückt dieses Spiel zwischen Zukunft und Gegenwart, möglichen und tatsächlichen Ereignissen gekonnt aus. Hendrik Handloegten taucht Berlin in bestechende Farben, die kühle, glitzernde Großstadt kontrastiert das fantastische, warme Licht des finnischen Sommers. Immer wieder verschwimmen die Bilder, sie verwischen ihre Spuren. Dadurch entwickelt der Film einen sehr eigenen Rhythmus und bestechenden Stil, der von der gut ausgewählten Musik untermalt wird.

„Fenster zum Sommer“ ist ein besonderer Film, der aufmerksames Sehen erfordert. Eine Erklärung für den Zeitsprung lässt sich höchstens in den Bildern ausmachen, doch letztlich ist das wie und warum unerheblich. Stattdessen konzentriert sich Hendrik Handloegten auf seine Protagonistin. Sie muss eine Zeit der persönlichen Verluste noch einmal erleben und setzt sich dadurch stärker mit sich selbst auseinander. Die kleinen Selbsttäuschungen und Ausflüchte haben vielleicht beim ersten Erleben funktioniert, doch beim zweiten Mal nicht mehr. Und so ist Juliane am Ende des Films eine stärkere Frau – auch wenn sie erkennen muss, dass sich das Schicksal nicht so einfach betrügen lässt.

Fazit: „Fenster zum Sommer“ ist spannendes Gedankenspiel, das einen aufmerksamen Zuschauer durch seinen Stil und mit guten Schauspielern in den Bann zieht. Sehenswert!





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