VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Was Männer sonst nicht zeigen
Was Männer sonst nicht zeigen
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Was Männer sonst nicht zeigen (2010)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser ungewöhnliche Dokumentarfilm aus Finnland widmet sich mit feinem Humor zwei Klischeevorstellungen über das skandinavische Land. Die erste lautet, dass alle Finnen die Sauna lieben. Und wie sich hier zeigt, stimmt das wohl auch. Die Finnen kommen ohne Sauna überhaupt nicht aus und die Filmaufnahmen vermitteln auch dem Zuschauer stimmungsvoll, dass es sich beim Ritual des Schwitzbads um eine wunderbare Tradition handelt. Das zweite Klischee lautet, finnische Männer seien wortkarg, verschlossen und schwermütig. Das stimmt zumindest in der Sauna nicht. Die Filmemacher Joonas Berghäll und Mika Hotakainen haben Männer getroffen, die in diesem Ambiente auch seelisch alle Hüllen fallenlassen. Dann erweisen sich viele von ihnen als gemütvoll und sensibel. Die Sauna ist der richtige Raum, um auch die Seele zu pflegen und einem Mitteilungsbedürfnis nachzugeben, das draußen im Alltagsleben zu kurz kommt.

Die Situationen sind natürlich mehr oder weniger gestellt, aber die Geschichten echt. Es gibt fröhliche, skurrile und traurige Erzählungen. Ein Mann erinnert sich an seine schwere Kindheit, ein anderer bricht in Tränen aus, weil er seine kleine Tochter nicht mehr sehen darf. Ein Vater erzählt vom Tod eines Kindes und seiner Erfahrung, dass es ihm nicht guttat, sein Leid still in sich hineinzufressen. In einer Rentnerrunde im Schwimmbad zeigt sich ein Witwer hochzufrieden über seinen Lebensabend, der ihm eine neue Partnerin beschert hat. Die Liebe hat auch einem ehemaligen Häftling den Weg in ein neues Leben geebnet und ihm drei Söhne geschenkt, die jetzt an seiner Seite in der Sauna sitzen. Alle diese Männer finden wie von selbst die Worte für all das, was sie bewegt und was im Grunde danach verlangt, geteilt zu werden.

Dezenter Humor kommt herein, wenn urige Sauna-Konstruktionen ins Visier genommen werden. Wenn sich zwei Obdachlose ein Schwitzbad gönnen oder sich eine Gruppe Weihnachtsmänner über ihre Erfahrungen in fremden Häusern austauscht. Ein Mann, der draußen auf dem Land lebt, erzählt über einen Waisen, den er aufnahm und der sein bester Freund wurde. Die Verblüffung ist groß, als dieser auf allen vieren auf der Wiese ins Bild trottet. Immer stärker kommt in dieser Aneinanderreihung die gefühlvolle Seite des finnischen Mannes zum Vorschein, die am Schluss im Singen eines Volkslieds über ein Eichhörnchen gipfelt. Garniert mit schönen Naturaufnahmen, weckt der Film ganz neue Sympathien für das Land im Norden und seine Leute.

Fazit: Dieser unterhaltsame, sympathische Dokumentarfilm beweist, dass die finnische Saunakultur auch der Seele verschlossener skandinavischer Männer guttut. In der Intimität der Schwitzgemeinschaft entstehen Gespräche über die wesentlichen Dinge im Leben, über Kummer und Leid, freudige Ereignisse und glückliche Fügungen. Die Filmemacher ermöglichen mit feinem Humor einen tiefen Einblick in finnische Mentalitäten, die sich normalerweise hinter dem Klischee der Einsilbigkeit verstecken.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.