VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Possession - Das Dunkle in dir
Possession - Das Dunkle in dir
© Studiocanal

Kritik: Possession - Das Dunkle in dir (2011)


"Possession - Das Dunkle in dir" ist die neuste Produktion von Sam Raimi ("Tanz der Teufel", "Spiderman 1 - 3") und dürfte ein besonderes Häppchen für alle Freunde des Horror-Thrillers sein. Der dänischen Regisseurs Ole Bornedal ("Deliver us from Evil", "Nightwatch - Nachtwache") verarbeitet den seit dem "Exorzisten" nicht besonders neuen Plot der Besessenheit eines Kindes durch dämonische Kräfte spannend und mitreißend. Bornedal gelingt es gekonnt, den europäischen Autorenfilm mit amerikanischem Mainstream zu kombinieren und so eigene Akzente zu setzen.

Die kleine Em (Natasha Calis) ersteht bei einem Garagenverkauf ein antikes Kästchen. Sie wird, nachdem sie es geöffnet hat, von etwas Unheimlichem heimgesucht und beginnt sich zunehmend zu verändern. Ihre Eltern Clyde (Jeffrey Dean Morgan) und Stephanie Brenck (Kyra Sedgwick) und ihre Schwester Hannah (Madison Davenport) erklären sich das sonderbare Verhalten Ems zunächst mit der nicht lange zurückliegenden Trennung der Eltern, bis sich schließlich die Lage dramatisch zuspitzt. Clyde beginnt Nachforschungen anzustellen. Er kommt dem Geheimnis des Kästchens auf die Spur und findet im jüdischen Stadtteil Brooklyns bei dem Sohn eines Rabbiners Hilfe. Das nun einsetzende Finale bietet zwar wenige Überraschungen, hält aber den Nervenkitzel aufrecht und besticht durch gut gemachte und nicht überfrachtete Spezial- und Soundeffekte, wobei glücklicherweise auf den, aus dem "Exorzisten" bekannten, sich um einhundertachtzig Grad drehenden Kopf verzichtet wurde.

Dass es sich bei dem Geist in diesem Exorzismus-Thriller um einen Dibbuk, einen Totengeist aus der jüdischen Folklore handelt, ist kein Zufall. Sam Raimi selbst entstammt einer jüdischen Familie, die Anfang des letzten Jahrhunderts aus Osteuropa in die USA emigrierte. Beeinflusst wurde die Idee für den Film maßgeblich durch einen Artikel in der Los Angeles Times ("A jinx in a box?"), der über ein Kästchen berichtete, welches bei eBay gehandelt wurde und über das die Käufer berichteten, dass es paranormale Phänomene auslöse. Die Beschreibung des Kästchens, seines Inhaltes sowie die beschriebenen Vorkommnisse finden sich in dem Film wieder. Daher wird wohl auch am Anfang des Films darauf hingewiesen, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruhe. Das kann man natürlich sehen wie man will, aber es verleiht dem Zuschauer doch das Gefühl, einer mehr oder weniger authentischen Handlung beizuwohnen.

Nebenbei greift "Possession" auch aktuelle gesellschaftliche Gegebenheiten auf. So wird auf die schwierige Situation der Schwestern eingegangen, die unter der Trennung der Eltern leiden und abwechselnd bei Vater und Mutter leben müssen. Clyde ist teilweise überfordert, sich seinen Töchtern zu widmen und dies in Einklang mit seiner Arbeit zu bringen.

Ein großes Lob verdient die schauspielerische Leistung der erst zwölfjährigen Natasha Calis. Sie überzeugt in beiden Rollen: Der des kleinen, lebensfrohen Mädchens genauso wie als brutal besessenes Biest. Auch Jeffrey Dean Morgan ("Watchmen - Die Wächter") überzeugt in seiner Rolle als Vater und Madison Davenport spielt authentisch die pubertierende Schwester von Em.

Alles in allem ist "Possession - Das Dunkle in dir" einen gut gemachter Horror-Thriller, der keine Langeweile aufkommen lässt und dem Zuschauer das Adrenalin ins Gehirn schießen lässt. Die Kameraführung und der Schnitt zeigen, dass Ole Bornedal sein Handwerk beherrscht. Nicht umsonst spielte "Possession" bereits in den ersten Tagen 18 Millionen Dollar in den USA ein und verdrängte "Expendables 2" von der amerikanischen Chartspitze. Die audiovisuellen Effekte raten zu einem Besuch in einem modern ausgestatteten Kino.

Fazit: Gut gemachter Thriller mit Gänsehaut- und Schreckgarantie, der den europäischen Autorenfilm mit hollywoodesken Mainstream zu vereinen weiß.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.