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Mitternachtskinder - Hauptplakat
Mitternachtskinder - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Mitternachtskinder (2012)


Der im Deutschen 1983 als "Mitternachtskinder" veröffentlichte literarische Welt-Erfolg des indisch-britischen Schriftstellers Salman Rushdie, erschien 1980 unter dem Namen "Midnight's Children" zum ersten mal. Bei der Verfilmung arbeitete Rushdie eng mit der Filmemacherin Deepa Mehta zusammen und adaptierte eigens seinen Roman in ein Drehbuch. Gedreht wurde an über 60 Schauplätzen in Sri Lanka, das als Indien herhalten musste. Lange Zeit galt Rushdies epische Erzählung als un- oder zumindest schwer verfilmbar. Was den Roman so besonders macht, ist die gekonnte Vermischung von Mythos und Realität. Das Indien Rushdies ist in dem Roman durchsetzt von Mythen und Mysterien, Magie ist weit mehr als nur Aberglaube. Die realen historischen Ereignisse werden eingebettet in einen Rahmen aus Zauber und unbekannten Kräften.

"Mitternachtskinder" schafft es zu weiten Teilen, den Zauber der Erzählung durch imposante Bilder auch auf der Leinwand entstehen zu lassen, wird der literarischen Vorlage aber nicht völlig gerecht. Dies ist weniger der Regie von Mehta geschuldet als vielmehr der bombastischen Roman-Vorlage mit all ihren komplexen Figuren und mystischen Ereignissen. Der Zuschauer wird schlicht überrollt von der brachialen Flut aus Informationen, Fakten und Geschehnisse, die eng mit der Geschichte Indiens verbunden sind, aber eben einiges an Wissen und (vor allem) Interesse beim Zuschauer voraussetzen. Und zuletzt natürlich auch eine Menge Sitzfleisch, immerhin dauert "Mitternachtskinder" fast zweieinhalb Stunden. Die Länge sorgt dafür, dass der Spannungsbogen in bestimmten Szenen immer wieder umgangen wird, da sich viele Szenen weiter und weiter in die Länge ziehen und einfach zu keinem Ende kommen.

Am Ende des Films hat man vier Generationen von Saleems kennengelernt und – bis zu Indira Gandhis Sturz Ende der 70er – einen Streifzug durch etwa 50 Jahre indisch-pakistanische Geschichte gemacht. Nicht wenige Zuschauer werden sich dadurch erdrückt und geplättet fühlen und den Film lediglich als dröge "Geschichtsstunde" ansehen. Alle anderen, die sich hundertprozentig auf die Thematik einlassen wollen und schon vor dem Film aufgrund der Literatur des Buches wissen, was in etwa auf sie zukommt, werden von der bunten, imposanten Bilder- und Farbenpracht des Gezeigten beeindruckt sein. Optisch und bzgl. seiner technischen Umsetzung ist "Mitternachtskinder" über jeden Zweifel erhaben und schlicht beeindruckend. "Mitternachtskinder" ist farbenfroh, zuckersüß und atmosphärisch wie schönster Bollywood-Kitsch und kann daher auch seine Schwächen bei der Dramaturgie und bei der Film-Länge zumindest teilweise wieder wettmachen.

Fazit: Optisch herausragende und technisch brillant umgesetzte Geschichtsstunde in märchenhaften und atmosphärischen Bildern, die ihre Schwächen aber in der Dramaturgie und der Erzählung hat.




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