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The Trial of the Chicago 7
The Trial of the Chicago 7
© Netflix

Kritik: The Trial of the Chicago 7 (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Als Schöpfer der Serien "The West Wing" (1999-2006) und "The Newsroom" (2012-2014) hat sich der 1961 geborene Aaron Sorkin als Experte für politische und mediale Themen erwiesen. Und auch durch seine Skripts zu Filmen wie "The Social Network" (2010) und "Steve Jobs" (2015) hat er sich einen Ruf als Meister des geschliffenen Dialogs erarbeitet. Nachdem er mit dem Biopic "Molly's Game" im Jahr 2017 ein beachtliches Regiedebüt gab, legt er mit dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Courtroom-Drama "The Trial of the Chicago 7" ein nicht minder eindrückliches zweites Werk in Doppelfunktion als Regisseur und Drehbuchautor nach.

Es gelingt Sorkin gleich zu Beginn, die gesellschaftliche Stimmung in den Vereinigten Staaten Ende der 1960er Jahre prägnant einzufangen. Archivmaterial, das unter anderem zeigt, wie Soldaten von Lyndon B. Johnson in den Vietnamkrieg geschickt werden und wie die Bevölkerung auf die Ermordung von Martin Luther King reagiert, wird kombiniert mit Aufnahmen, die eine kurze Vorstellung der später angeklagten Anti-Kriegs-Aktivisten bieten. Dabei werden die unterschiedlichen Hintergründe und Motivationen der Männer deutlich.

Auch im weiteren Verlauf ist die filmische Umsetzung von "The Trial of the Chicago 7" äußerst clever: Sorkin schildert die Vorfälle auf mehreren Zeitebenen, kann die komplexen politischen und juristischen Zusammenhänge nachvollziehbar vermitteln und wird der großen Anzahl von Figuren stets gerecht. Unterstützt wird er dabei von einem durchweg überzeugenden Ensemble, aus dem Mark Rylance als engagierter Verteidiger, Frank Langella als voreingenommener Richter, Eddie Redmayne als idealistischer Kämpfer und (durchaus überraschend!) auch der Comedy-Star Sacha Baron Cohen als schlagfertiger Hippie herausragen. Einen herrlichen Kurzauftritt hat zudem Michael Keaton als Ex-Justizminister Ramsey Clark.

Die musikalische Untermalung, insbesondere in den Protestsequenzen in der Stadt, ist etwas zu aufdringlich geraten. Dennoch wird gerade in den Momenten, die auf die Polizeigewalt hinweisen, die erschreckende Aktualität des Stoffes spürbar. So vermag der Film bis zum letzten Bild mitzureißen.

Fazit: Eine spannungsreich inszenierte, noch immer relevante Geschichtslektion, die innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals mit großartigen Dialogen und bemerkenswerten Schauspielleistungen aufwartet.




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