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Kritik: Rabia - Stille Wut (2009)


"Rabia – Stille Wut" hält leider größtenteils das, was er verspricht – Stille. Nach einer groben und schnellen Einleitung der Hauptcharaktere, beide Migranten und Fremde in ihrer Umgebung, wird kurz das Aufkochen und Überkochen der Gefühle des Protagonisten dargestellt, welches schließlich im ersten Extrema endet: Der Vorarbeiter stirbt durch José Marías Hände. Wirklich leid tut es ihm aber nicht, schließlich lastet der allzu schnell und oberflächlich behandelte gesellschaftliche Druck auf ihm.

Aus Angst vor den gesetzlichen Folgen sucht er als Ausgestoßener heimlich im Herrenhaus seiner Freundin Rosa unterschlupft, deren Vorgesetzte erst kürzlich aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Das kammerspielartige Verstecken, welches José María mit seiner Freundin Rosa und ihren Hausherren im Folgenden treibt, trifft zwar zwischenzeitig den Nerv des Zuschauers, bleibt aber an manchen Stellen allzu unverständlich. So scheitert man schon an der Tatsache, dem Zuschauer eine Erklärung zu bieten, wie der Protagonist es überhaupt unbemerkt in die Villa schaffte.

Auf der anderen Seite hat "Rabia" aber auch einige sehr gelungene Szenen zu bieten. Ob eine atmosphärische Kamerafahrt wie in "Das Boot", die von einem Ort zum anderen quer durchs Treppenhaus hastet und damit Rosas Suche nach dem klingelnden Telefon begleitet, oder Momente in denen sich die innere Wut in José María aufstaut. Einige Szenen schaffen es, dass der Zuschauer weiterhin seine Aufmerksamkeit auf das Geschehen richtet und weiterhin gebannt vor dem Bildschirm sitzen bleibt.

Die von Regisseur Sebastian Cordero im Making Off angesprochene Kritik am Umgang mit Migranten, die oft nur ausgegrenzter und außenstehender Teil der Gesellschaft sind, ist nur unterschwellig im Film eingebracht und wirkt stellenweise leider allzu plakativ.

Der Film endet da, wo er angefangen hat - als Love-Story.

Fazit: Man muss sagen, die Ansätze bieten großes Potenzial, werden aber viel zu schwach und wenig vielschichtig ausgeführt. Zudem vermasselt der Regisseur das Finale des Films. Hätte er die Handlung um wenige Minuten gekappt, wäre das Endergebnis um einiges Intensiver und eindringlicher ausgefallen. Der bildhafte Kitsch, der hier überbleibt, kann im Gegensatz zu dem traurig-herzbewegenden Finale in "Agnosia" nur wenig überzeugen, wirkt unflexibel in die Handlung eingepresst. Dabei waren die zuvor gesäten Anzeichen für ein tragisches Ende durchaus gut und haben hohe Erwartungen geschürt, die man leider nicht halten konnte.





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