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Kritik: Jesus liebt mich (2012)


Nicht immer will es Sinn machen, wenn sich für Drehbuch, Regie und Hauptrolle einer allein Verantwortlich zeitigt. Das offenbart beinahe schon etwas von göttlicher Personalunion oder zumindest Qualitäten einer Art cineastischer Dreifaltigkeit. Nicht selten verdankt die Filmwelt ebensolchen Konstellationen dann auch manch ausgewachsenen Flop. Ironischerweise verkörpert Florian David Fitz in "Jesus liebt mich" nicht nur dieses illustre Dreigestirn, sondern spielt darüber hinaus auch noch den wieder auf Erden wandelnden Messias.

Irgendwann musste es dazu kommen: Eurokrise, Klimachaos, nicht enden wollende Kriege und Aussichten auf eine Sechs-Parteien-Landschaft im Bundestag, da ist es besser den Laden ein für allemal dicht zu machen. Das jüngste Gericht naht – beinahe. Genau genommen ist es Dienstag, und es ist es noch eine geschlagene Woche bis dahin. Jeshua (the artist formaly known als Jesus) ist aber schon mal vorausgeeilt, um alles für den großen Tag vorzubereiten. Und auch, um seinen alten Kumpel Gabriel (Henry Hübchen) zu treffen, der vor vielen Jahren auf seine Flügel verzichtete, um der Liebe willen als Sterblicher auf Erden zu leben.

Weit mehr als das bevorstehende Ende aller Dinge vermuten ließe, stehen in "Jesus liebt mich" aber die Vorzeichen auf Herzflimmern. Dem Messias, der sich eigentlich einen Überblick über die Menschheit verschaffen wollte (schließlich muss demnächst ausgesiebt werden), begegnet unverhofft Marie (Jessica Schwarz). Die hat schon manch einen Frosch geküsst, ohne das daraus ein Prinz wurde, aber bei diesem seltsamen Mann, mit der ungepflegten 70er-Jahre Matte scheint irgendwie alles anders.

Wenige Männer können damit punkten, dass sie übers Wasser laufen können. Wieso das aber romantisch sein soll, und wie jemand auf die Idee kommen kann, dass ein verpeilt wirkender, blässlicher Jüngling, mit langem Haar und stoppeligen Bart ein Terrorist sein könnte, nur weil er sich als "Jeshua aus Galiläa" vorstellt, erschließt sich ebenso wenig. Vielleicht sollte das aber witzig sein – wie manch einer der Off-Splitter aus Maries Gedankenwelt. Aber nicht zünden wollender Humor ist lediglich ein weiteres Symptom dieses kränkelnden Zelluloidelaborats. Streng genommen, interessiert letzten Endes nicht einmal die bevorstehende Apokalypse. Bestenfalls hofft man, sie würde die Laufzeit verkürzen.

Viel zu lieblos gezeichnete Figuren wurden augenscheinlich fast schon aufs Geratewohl in eine absolut hanebüchene Story geworfen. Warum dann an alledem überhaupt partizipiert werden oder gar Gefallen gefunden soll, wenn sich ohnehin minütlich der Eindruck verstärkt, bei der Inszenierung wurde an zu gehaltvollem Weihrauch geschnüffelt, vermag sich nicht zu erschließen. Wäre daraus eine irgendwie geartete Form schrägen Humors entsprungen, hätte vielleicht Hoffnung bestanden. Offensichtlich handelte es sich aber leider doch eher um eine Schlaftablette, die zur Ruhigstellung von Akteuren und Geschehen führte. Ernstlich zu wollen scheint der Film jedenfalls nichts. Er besitzt keinen spürbaren moralischen Kontext, sieht man davon ab, dass es die Liebe ist, die wieder einmal alles in Lot zu bringen vermag; auf der Suche nach hintergründigem Witz oder tiefer sitzenden Ironiewerten würde man ebenfalls kaum fündig werden; und von einer Satire (selbst einer schlechten) ist "Jesus liebt mich" weiter entfernt, als die Menschheit von einem tatsächlichen Armageddon.

Fazit: Überflüssiger Film, der das göttliche Thema der Liebe in der Person des leibhaftigen Heilands aus Galiläa zu erden versucht. Die bitter-süße romantische Komödie, entpuppt sich jedoch als sakrale Seifenblase und der angesagte Weltuntergang als ein leises Plop.





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