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Die Hochzeit unserer dicksten Freundin - Poster
Die Hochzeit unserer dicksten Freundin - Poster
© Studiocanal

Kritik: Die Hochzeit unserer dicksten Freundin (2011)


Spätestens mit ihrem Auftritt in Lars von Triers "Melancholia" hat sich Schauspielerin Kirsten Dunst bewiesen. Ihr entwaffnendes und entkleidendes Spiel als trübselige Braut, die dem Ende der Welt entgegen rennt, hatte seine polarisierende Wirkung bei Kritik und Publikum und wurde zwischen "grandiosem Kunstkino" und "nervtötender Möchtegern-Intellektualität" heiß diskutiert. Dunst bewies nach ihren Auftritten an der Seite von Tobey Maguire in der "Spider-Men Trilogie", dass hinter den verträumten Augen eine waschechte Schauspielerin steckt, die vor dem nächsten großen Schritt ihrer Karriere steht. Da passt der Hollywood-Schmorbraten "Bachelorette", der in vieler Hinsicht an Paul Feigs 2011 erschienenen "Brautalarm" erinnert, nicht unbedingt in das Konzept der aufstrebenden amerikanischen Schönheit. Doch auch in Hollywood muss man Geld verdienen und "Bachelorette" bringt wahrscheinlich mehr Gage ein, als es ein Auftritt in einem Lars von Trier-Film je schaffen könnte.

Der deutsche Arbeitstitel der Komödie - "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" - der die Alarmglocken der Übersetzungs-Stumpfsinnigkeit läuten lässt und in seiner raffinierten Ausgeklügelheit sehr nah am Abgrund der Dummheit steht, ist im Endeffekt sehr passend, ist der eigentliche Film doch über 90 Minuten ein ähnlich unterbelichteter cineastischer Dünnbrettbohrer.
Dies liegt aber nicht an politisch inkorrekten Zoten, infantilen Genital- oder Fäkalwitzen – das wäre ja wunderbar - sondern schlicht und ergreifend an der Harmlosigkeit des Films. "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" rettet sich mit einem Schwall aus belanglosen Dialogen über die Spielzeit. Jeglicher Biss und jegliche Kante, die eine Komödie dieses Formates durchaus haben dürfte, fehlt dem Streifen komplett. So aber wird "Bachelorette" zu einem 1A Klogriff ohne Darmreizung.

Im Vorhinein ist klar: Wer mit großen Erwartungen in "Bachelorette" geht, hat kaum noch alle Tassen im Schrank, weil jedem Zuschauer klar sein muss, dass dieser Film weniger etwas für den intellektuellen Geist, als für die inneren Sextriebe des Zuschauer geignet sein soll. Insofern sollte man unbedingt Gehirn und Verstand zu Hause lassen, in eine Schachtel verstauen und erst wieder nach dem Filmerguss einsetzen.
Aber auch wenn man diese einfache Regel für ein solches Format befolgt geht "Bachelorette" nicht auf. Dies liegt unter anderem an der so extrem harmlosen Dialogschreiberei, die kaum ein Aufbäumen oder Aufraffen zulässt. Vereinzelt werden kleine Sex-Zoten eingefügt, wenn Stichwörter wie "Blow-Job-Rankings" thematisiert oder einfache One-Night-Stands auf der Damentoilette durchgeführt werden. Was bei all der pubertären Humorlosigkeit aber auffällt, ist die Mutlosigkeit, mit der sie präsentiert wird. Während "Brautalarm" den Fäkalwitz noch köstlich zelebrierte und die cineastische Definition von "Lebensmittelvergiftung" festlegte, bleibt von "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" rein gar nichts hängen, weil der ungemein geschwätzige Film sich nicht ins Gedächtnis spielen kann außer eben mit seinen vielen Dialogen. Vielmehr rätselt man über den Auftritt von Kirsten Dunst, die mit aller Kraft aus ihrer unzufriedenen Business-Figur noch ein wenig Profil herauszuholen versucht. Ansonsten aber ist "Bachelorette" so nichtssagend, wie trivial, weil kaum ein politisch inkorrekter Witz, ein unverhoffter Gag oder eine satte Fremdschämtour über den Zuschauer hereinbricht. Diese seltsame, da bizarre Kantenlosigkeit führt dazu, dass der Unterhaltungswert der simplen Romanzen-Komödie unaufhaltsam in den Keller stürzt.

Während dem Film die eigene Rezeptur der anarchistischen Brachialgewalt von Sekunde eins abhanden kommt, gestaltet sich auch die Entwicklung der Geschichte nicht zu dem erhofften Schulterschluss mit dem Hochzeitscrasherfilm. Sich ins genaue Gegenteil entwickelnd, ordnet sich der Film irgendwann in die Schublade "Liebeskomödie" ein und fährt durch seine 08/15 Dramaturgie, über die man sich im Hinblick auf die übrigen Schwächen gar nicht mehr aufregen sollte, voll gegen die Wand. Hinzu kommt dann noch, dass Regisseurin Leslye Headland sich mit komplizierten und für die eigentliche Zielgruppe nicht zu kennenden Filmreferenzen das Leben selbst schwer, und jeden generationsübergreifenden Humor zu Nichte macht. "Bachelorette" erweist sich so nur als eine biedere, schwer im Magen liegende Fehlentwicklung einer eigentlich vielversprechenden Klamotte - eine austauschbare und vollkommen lustlose Schmonzette, die jede noch so kleine unterhaltsame Humorfalte mit brutaler Präzision wieder glattbügelt.
Wenn man bedenkt, dass mit Rebel Wilson und der ebenso humorvollen Kirsten Dunst zwei moderne Schauspielerinnen das Ensemble bereichern, entspricht "Bachelorette" einer vollkommenen Arbeitsverweigerung.
Wer den kommenden Kinogang plant, sollte eher eine zweite Runde "TED" einlegen, als sich diesen cineastischen Rohrkrepierer zu geben.

Fazit: Hier fehlt es an allen Ecken und Kanten. Der weichgespülte "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" ersäuft in seiner Kanten- und Mutlosigkeit. Erschreckend harmlos, bleibt die Frage, was Kirsten Dunst hier macht. Eine schmerzhafte Enttäuschung, kein zweiter "Brautalarm".





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