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Small Town Murder Songs
Small Town Murder Songs
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Small Town Murder Songs (2010)


"Small Town Murder Songs", inszeniert von dem kanadischen Independent-Regisseur Ed Gass-Donnelly, firmiert offiziell als Thriller, also Krimi und beginnt auch ganz klassisch mit einem Mord, bzw. einem Leichenfund. Die Suche nach dem Täter, das eigentliche Kernelement eines Thrillers, ist hier allerdings reine Nebensache, gibt es doch von Anfang an nur einen einzigen Tatverdächtigen. So ist "Small Town Murder Songs" auch vielmehr ein Psychodrama, erzählt vor dem Hintergrund eines Kriminalfalls, der nur die Funktion eines Auslösers übernimmt.

Hauptfigur ist Polizeichef Walter, der in einer vom pazifistischen und antimodernistischen Glauben der Mennoniten geprägten kanadischen Kleinstadt seinen ersten Mordfall aufzuklären hat, dabei aber mit seinen eigenen Geistern konfrontiert wird. Denn Walter ist zwar ebenfalls gläubiger Mennonit, hat aber auch Probleme, seine Aggressionen in den Griff zu bekommen. Ein nicht klar umschriebener gewalttätiger Vorfall, eine Tat, die seinem Glauben klar zuwider läuft, hat ihn im Ort isoliert. Nun kämpft er um seine Selbstachtung, um die Wiederaufnahme in die Glaubensgemeinde und damit deren Vergebung. Und da der aktuelle Tatverdächtige ausgerechnet jener Mann ist, der Walter zu seinem Gewaltausbruch provozierte, wird er im Laufe der Ermittlungen ständig an seinen eigenen Fehltritt erinnert, in Selbstzweifel gestürzt und an seine eigenen Grenzen getrieben. Die Suche nach dem Täter ist entsprechend weniger spannend als die Frage, ob Polizeichef Walter es schaffen wird, die Kontrolle über sich und seine Aggressionen zu behalten.

Hauptdarsteller Peter Stormare liefert hier eine Glanzleistung ab. Um den inneren Kampf des Polizeichefs auszudrücken, seinen tiefen Glauben ebenso wie die mühsam unterdrückten Aggressionen, die jederzeit auszubrechen drohen, braucht er nicht viele Worte, ihm reichen Mimik und vor allem Körpersprache.

Kameramann Brendan Steacy nahm sich angeblich die Optik von "No Country for old men" der Coen-Brüder zum Vorbild und so verwundert es nicht, dass die ohne Zusatzbeleuchtung eingefangenen naturalistischen Bilder der ländlichen Kleinstadt mit ihren Pferdekutschen, den Feldern und den majestätisch über die große Weite ziehenden Wolken den uramerikanischen Mythos vom "lonesome Cowboy", dem einsamen Kämpfer gegen die so grausame, wie schöne und erhabene Natur beschwören. Zwischentitel mit Bibelzitaten gliedern den Film in mehrere Kapitel und verweisen einmal mehr auf das religiöse Grundhhema, die Suche nach Vergebung.
Passend dazu wird das Ganze untermalt mit Ethno- oder Folk-Gospel Songs der kanadischen Band Bruce Peninsula. Hinzu kommen noch flirrende athmosphärische Sounds, wie z.B. auch in "There will be blood" zu hören.

Der einzige größere Kritikpunkt ist, dass der Film trotz seiner dem eigentlich dünnen Plot geschuldeten recht kurzen Laufzeit von nur 75 Minuten gelegentliche Längen entwickelt, was vor allem an dem gemäßigten Schnitttempo in Kombination mit der zwar guten, aber eben doch eher statischen Kameraarbeit liegt. Dennoch ist "Small Town Murder Songs" vor allem für Arthouse-Freunde, die keinen gesteigerten Wert auf große Action legen, durchaus sehenswert.

Fazit: Wer einen spannungs- oder gar actiongeladenen Psycho-Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Freunde von gut gespielten und stimmig inszenierten Dramen aber werden den Kinobesuch nicht bereuen. Kein absolutes Must-See - aber durchaus sehenswert.




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