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FBW-Bewertung: A Royal Night - Ein königliches Vergnügen (2015)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945. V.E. Day. Ausgelassene Menschen feiern auf den Straßen Londons die Befreiung von der Bedrohung durch den Faschismus und das Ende des Krieges. Die britischen Prinzessinnen Elizabeth und Margaret, damals 19 und 15Jahre alt, stoßen im Hotel Ritz auf den Sieg der Alliierten an. So zumindest die offizielle Version. Aber vielleicht war alles ganz anders. Was wäre, wenn die Teenager dem steifen Empfang und den Smalltalks mit Vertretern des Adels entflohen und Party machten?
Die Komödie orientiert sich mit ihrem Gedankenspiel an dem Klassiker EIN HERZ UND EINE KRONE. Wie damals die junge Audrey Hepburn bezaubert Sarah Gadon als bereits pflichtbewusste Thronfolgerin. Ihr Wunsch, die Vergnügungen ihres Alters zu erleben, hat sie tief in ihrem Herzen vergraben. Dafür brennt diese Flamme lodernd im Herz der naiven Prinzessin Margaret ? grandios gespielt von Bel Fowley. Sie bedrängt ihre große Schwester, die Eltern zu überzeugen, dass sie die Nacht außerhalb des Buckingham-Palasts verbringen dürfen. In wenigen Szenen geben Emily Watson als strenge, die jahrhundertealte Etikette achtende Königin und Rupert Everett als genervter Vater ihren Figuren Profil.
Mit dieser Grundfigurenkonstellation knüpft der Film an die Charaktere der Royals an, die später in das pflichtbewusste Leben für die Krone von Elizabeth und die distanzierte Abschirmung der Windsors mündeten, als auch an die Eskapaden und Affären von Prinzessin Margaret. Diese Charakterzüge bestimmen auch die Erlebnisse der Nacht.Nach der Ankunft im Ritz büchst Margaret vor den langweiligen Gesprächen aus und stürzt sich Hals über Kopf in die ausgelassene Menschenmenge. Elizabeth heftet sich an ihre Fersen und ist stets einen Tick zu spät, um sie einzuholen. An ihrer Seite hat sie bald einen Schutzengel, einen Soldaten, der sie vor Gefahren beschützt und in den sie sich auch ein bisschen verliebt.
Elizabeth lernt ihn im Bus kennen, er legt ihr das Fahrgeld aus. Denn die Royals tragen nie ein Portemonnaie mit sich. Die weltfremde Neugier der Prinzessinnen, die das erste Mal in ihrem Leben mit Alltagssorgen konfrontiert werden, wird zu einem der Motoren, die die Handlung vorantreiben. Auch die Klassenunterschiede, die sich in Kleidung, Haltung und der Sprache zeigen, werden mehrmals liebevoll thematisiert, die Kamera betont die Distanz. Auch der Gegensatz zwischen der Pracht in den königlichen Gemächern und den Wohnverhältnissen in vom Krieg zerstörten Häusern klingt an.
So entsteht eine genaue, opulent und detailverliebt ausgestatte Momentaufnahme dieses Tages, in dem Volk und Königshaus gemeinsam feierten und dessen Stimmung vom Glück über das Ende des Krieges geprägt ist. Er bildet den Background für eine beschwingte Kömödie, deren Tempo der Swing Glenn Millers vorgibt. Dazu kommt ein kräftiger romantischer Touch, der die Royals für ein paar Minuten zu Menschenaus Fleisch und Blut macht. Sie macht das spätere Verhalten einer Monarchin verständlich, die sich niemals ganz aus den Fesseln ihrer Erziehung lösen konnte. Und die ihre Ururgroßmutter Viktoria, die sie im Film noch als streng rügt, im September 2015 in der Dauer ihrer Regentschaft übertreffen wird.



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