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Die Wahrheit über Männer - Eine Anti-Romantische...lakat
Die Wahrheit über Männer - Eine Anti-Romantische Komödie - Plakat
© Neue Visionen © Camino

Kritik: Die Wahrheit über Männer - Eine Anti-Romantische Komödie (2010)


Klappe auf. Eine Hauptfigur. Leben in geregelten Bahnen, Beziehung intakt, das Glück floriert, Beruf nach Wunsch. Plötzlich: Ein von Außen herangetragenes Problem. Der Protagonist wehrt sich, will das Problem nicht wahrhaben, lehnt es hab, ignoriert es. Dann reagiert er doch auf die Neuerung, nur unter falscher Prämisse. Statt das Problem zu lösen, vergrößern sich die Sorgen, bis er schließlich den Ursprung allen Übels ausfindig machen muss, um am Wendepunkt seiner Geschichte aus den vorherigen Fehlern zu lernen. Die Wogen glätten sich, der "Held" gewinnt und kann seinem restlichen, glücklichen Leben entgegen blicken: Happy-End. Positive Musik untermalt die Szenerie und die Hauptfigur schreitet voran in den Sonnenuntergang. Klappe zu.
So einfach kann der Plotverlauf eines Films, einer Fernsehserie oder eine Daily-Soap aussehen, die uns Zuschauer immer und immer wieder im Kinosaal oder im TV vor die Nase gesetzt werden. Ein festes Prinzip mit klaren Regeln, strukturiert und ohne wendungsreichen Überraschungen viele Kinofilme folgen, ohne dass es dem Zuschauer auffällt.
Ähnlich die Plotverläufe von Filmen über Männer um die 30, die sich nicht nach vorne bewegen, sondern in Wahrheit lediglich nur um ihre eigene bescheidende Existenzachse kreisen. Von einer Beziehung zur nächsten rennend, die sie vergöttern bis sie sich langweilen, um dann einen weiteren Schlussstrich zu ziehen – immer und immer wieder.

Was am Ende dabei rauskommt, wenn man diese beiden Plotverläufe zusammenmischt? Eine der größten Überraschungshits für das Kinojahr 2012: Die Komödie "Die Wahrheit über Männer", die sich selbst als anti-romantisch propagiert, ist nicht weniger das genialste Stück Zelluloid des Jahres.

Man kennt sie. Diese cineastischen Experimente. Ein Film im Film im Film. Genauso wie das endlose Spiegelbild, wenn man zwei Spiegel gegeneinander stellt, funktionieren Filme, die ihre eigene begrenzten Innenansichten zerbrechen und als Film im Film andere Ansätze verfolgen. Auch "Die Wahrheit über Männer" funktioniert nach einem ähnlich verzwickten, aber zu gleich ungemein intelligenten Prinzip. Visuell angetrieben von großen Vorbildern wie "High Fidelity" oder "Fight Club" erschafft der dänische Filmemacher Nikolaj Arcel genau den filmischen Stoff, aus dem Kultfilme gemacht sind: Unterhaltung, Intelligenz, Einzigartigkeit und Identifikation. Hauptfigur und Protagonist Mads, der im Off-Kommentar wie ein einfältiger Halbintellektueller mit Möchtegern-Problemen wirkt, bringt mit seinen innersten Gedanken genau die Tatsachen auf den Punkt, die bei Liebesgeschichten des öfteren vergessen werden. Männer sind vielleicht gerne stumpfsinnig, doch auch sie haben komplizierte Gefühle.
Mads wirkt dabei in vieler Hinsicht wie einst der Yuppie aus "Fight Club", wenn er statt imaginäre IKEA-Möbel schwungvoll die Skizzen einer jeden Filmdramaturgie durch den Raum gleiten lässt. Regisseur Arcel baut um seine Hauptfigur sein cineastisches "Film im Film" Universum auf, welches mit viel Freude und ohne einen einfältigen Hau-Drauf-Hammer auf jegliche Filmsparten eindrischt und neben gängigen TV-Filmen und Liebesgeschichten auch nicht viel für abgehobene Arthouse-Produktionen übrig hat. Die eigenen Konventionen des als unkoventionell gepriesenen Künstler-Genres genüsslich aufzeigend, entzieht "Die Wahrheit über Männer" jedem Genre die Existenzberechtigung. Selbst umgeben von Arthouse-Einflüssen zeigt sich "Die Wahrheit über Männer" dadurch natürlich überaus selbstironisch.

So schafft es "Die Wahrheit über Männer" einerseits, durch kongeniale Drehbucharbeit sich über jegliches Klischee und pathetische Til Schweiger-Attitüden zu erheben und offenbart dabei tatsächlich eine Reihe von Wahrheiten über das Innenleben der Spezies Mann. Das Anschauungsmaterial für jede verständnislose Frau ist teils bizarr, teils trocken, teils brutal banal oder gerne mächtig bescheuert. Es ist aber immer authentisch. Kaum zu glauben, aber in dieser Hinsicht hält der Film, was er im Titel verspricht.
Andererseits parodiert der Film auf so wunderbar groteske Art jegliche klischeebeladenden Drehbücher mit viel Selbstironie, Witz und schier endloser Intelligenz. Die Geschichte, die wie ein "Film im Film" erzählt wird, strotz vor lauter lustigen Momenten, Situationskomik und Dialogwitzen, ist gespickt mit ungemein viel Charme, handwerklichen Spielereien und inszenierungstechnischen Raffinessen und bleibt dabei immer in Balance zwischen Tragik, Humor und Dramatik.
Doch erst die Schlusspointe macht den Film im Gesamteindruck so berauschend gut, dass auch einige Längen im Mittelteil schnell vergessen sind. Die Portion Ironie und der blanke Zynismus heben "Die Wahrheit über Männer" aus dem Einheitsbrei hervor und gipfeln in brutalen Wahrheiten über Männer, Fernsehen und die Entstehungsweise eines Films. Ein waschechtes Must-See!

Fazit: Der "Indie-Hit" des Jahres! "Die Wahrheit über Männer" hält, was der Titel verspricht. Filmemacher Nikolaj Arcel serviert dem Zuschauer das coolste und zu gleich intelligenteste Stück Zelluloid des Jahres! Hier geht kein Weg vorbei.





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