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Kill Me Please
Kill Me Please
© Praesens Film

Kritik: Kill Me Please (2010)


Es ist das Paradies für Selbstmörder. An einem abgeschiedenen Ort leitet Dr. Kruger (Aurélien Recoing) eine Klinik für Menschen, die sterben wollen. Äußerlich erinnert das Gebäude eher an ein Hotel, auch bei den Patienten handelt es sich nicht ausschließlich um Todkranke. Vielmehr vereint die Bewohner eine tiefe Sehnsucht nach dem Tod. Und Dr. Kruger verspricht ihnen ein ruhiges Sterben, bei dem sie ihren Abgang mit seiner Hilfe selbst inszenieren dürfen. Ein Heldentod ist zwar nicht möglich, wohl aber ein Ableben beim Sex mit einer vermeintlichen Studentin. Deshalb ist Dr. Krugers Hilfe sehr begehrt, und die zahlreichen Anwärter auf einen Platz in der Klinik schicken Bewerbungsvideos, in denen sie erklären, warum sie es verdient haben, an diesem Ort zu sterben. Und allein Dr. Kruger entscheidet darüber, wer in der Klinik bleiben und sterben darf.

In strengen Schwarzweiß-Bildern entwirft der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Olias Barco in seiner grotesken Komödie „Kill me please“ die Vision von einem Ort, an dem Hilfe beim Sterben nicht nur erlaubt, sondern von der Politik des Landes sogar gefördert wird. Dabei gibt Dr. Kruger vor, ein durchaus ehrenwertes Motiv zu haben: Er ist Psychiater und hofft, dass er einige seiner Patienten von dem Tod abhalten kann. Folgerichtig schickt er einen Patienten nach Hause, der eine Erkrankung vorgetäuscht hat, aber einfach nur unter Liebeskummer leidet. Dennoch wird sein Tun nicht von allen gerne gesehen. Über die genaue Lage der Klinik wird daher geschwiegen und die Bewohner einer naheliegenden Ortschaft sind von dem dortigen Treiben nicht begeistert.

Das Angebot des ruhigen Sterbens hat indes eine illustre Runde in der Klinik versammelt. Darunter ist Virgile (Mit-Drehbuchautor Virgile Bramly), der schon mehrfach versucht hat, sich umzubringen – das erste Mal im Alter von sieben Jahren, als er durch ein geschlossenes Fenster sprang. Seither kann er für sich verbuchen, der jüngste versuchte Selbstmörder in Frankreich zu sein. Oder Monsieur Vidal (Bouli Lanners), der seine Frau unter sehr merkwürdigen Umständen verloren hat. Außerdem hält sich derzeit die Finanzpolizistin Edvard (Virginie Efira) in der Klinik auf. Ihr ist aufgefallen, dass die überwiegend vermögenden Patienten dem Arzt sehr häufig ihr Geld hinterlassen. Ist er daher gar kein edler Retter, sondern schlichtweg ein Betrüger? Bevor sie aber bei einem Spaziergang zwei Patienten erzählen kann, was sie herausgefunden hat, wird sie erschossen. Damit wird das bitterböse Finale des Films eingeleitet, bei dem einem das Lachen schon einmal im Halse stecken bleibt. Plötzlich stehen die Bewohner und das Personal der Klinik unter tödlichem Beschuss. Die Sterbenswilligen haben nichts mehr zu verlieren, daher lassen sie sich zu allerhand niederträchtigen Taten hinreißen.

"Kill me please" unterhält mit einer aberwitzigen und wendungsreichen Handlung, die sehr schwarzen Humor verbreitet, der durchaus in einigen Szenen die Grenzen des Witzigen überschreitet. Aber das unterkühlte Schwarzweiß des Films, welches durch die winterliche Landschaft zusätzlich verstärkt wirkt, entrückt die Handlung auch der Realität, so dass die für die Komik nötige Distanz entsteht. Darüber hinaus hat "Kill me please" einen gesellschaftlichen Unterbau. In einer Zeit, in der die Wirtschaftlichkeit eines Menschenlebens zunehmend wichtig wird, sind Überlegungen zu den gesellschaftlichen Kosten des Selbstmordes nur eine Frage der Zeit.

Fazit: Sicherlich wird "Kill me please" nicht den Geschmack jeden Zuschauers treffen. Aber der Film aus Belgien ist eine düstere und groteske Komödie über den Selbstmord und Sterben.





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