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Empire Me - Der Staat bin ich!
Empire Me - Der Staat bin ich!
© Real Fiction

Kritik: Empire Me - Der Staat bin ich! (2011)


Wie groß muss eine Nation sein, damit sie wahrgenommen wird? Wie mächtig, dass sie als bedeutend gilt? Weit über 500 Mikronationen ringen derzeit am Rande der globalisierten Welt um ihre Existenzberechtigung. Manche davon sind nicht größer als ein paar Fußballfelder. Nicht alle sind von der Völkergemeinde als eigenständige Staaten anerkannt. Viele sind nichts weiter als utopistische Aussteiger-Lebensmodelle, kommunenhafte Gebilde, die bisweilen sogar ohne einen eigentlichen Führer auskommen. Andere sind Ministaaten mit selbstausgerufenen Prinzen als Oberhäuptern.
Auf der Route manch eines Abenteuer- oder Individualtouristen sind Visa dieser Zwergstaaten nettes, schmückendes Beiwerk im Reisepass. Wer kann schließlich von sich behaupten schon mal nach "Ladonia" gereist zu sein, einer Mikronation an der schwedischen Küste gelegen, in der Steuern mittels Kreativität und nicht durch Geld entrichtet werden.
Der Künstler und Filmemacher Paul Poet begab sich auf eine achtjährige Reise zu einer Vielzahl dieser Gebilde. Entstanden ist daraus die Dokumentation "Empire Me", in der exemplarisch sechs dieser Lebensmodelle vorstellt werden: "Sealand", "Hutt River", "Damanhur", "ZeGG", "Christiana" und die "Schwimmenden Städten von Serenissima". Allesamt Versuche Lebensrealitäten jenseits althergebrachter Regeln und Konventionen zu erschaffen.
Es ist das Leben gegen den Strom, dass diese Menschen antreibt sowie zugleich der Versuch sich in einer Welt, in der Freiheitsgrade immer mehr dahinschmelzen, eine Stück individueller Verwirklichung zu erkämpfen.
Poet gelingt es in seinem Film nicht nur, diese mitunter sehr absurd anmutenden Utopien von einem besseren Leben, überaus lebendig darzustellen; er kommt diesen Menschen, trotz der Kamera, die zwangsläufig immer auch Eindringling ist und damit automatisch Distanz aufbaut, entscheidend nahe, so dass er über den Beobachterstatus hinaus, selbst zu einem Stück des Puzzles dieser elementaren Sinnsuche wird. Seine Gedanken, die als Off-Kommentar stets mitschwingen, spiegeln die Intention wieder, mit der der Regisseur diesen Parallel- und Gegenentwürfen vorbehaltlos offen begegnete.
"Empire Me" führt zu Orten, die theoretisch gleich nebenan existieren könnten oder tausende von Kilometern weit entfernt sind. Mehr als die Überbrückung von geografischen Distanzen ist es die besondere Leistung des Films, vor allem Distanzen in den Köpfen zu überwinden und Brücken zu schlagen. Damit ermöglicht er nicht nur den Zugang zu alternativen Daseinsexperimenten, sondern gibt dem Zuschauer die Chance, über sich selbst nachzudenken und den Status des Zustandes der eigenen Lebensverwirklichung zu überprüfen. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.




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