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Ruby - Meine fabelhafte Freundin - Hauptplakat
Ruby - Meine fabelhafte Freundin - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Ruby - Meine fabelhafte Freundin (2012)


Jonathan Dayton und Valerie Faris neuester Film „Ruby Sparks“ will Liebe in ihrer tiefen Materie ergründen und sie gleichzeitig erfrischend anders, humorvoll spritzig, wie dramatisch bedrohlich erzählen. Was sich wie eine heitere Komödie anfühlt, vermag es über die Metaebene dramatisch und beunruhigend aufwühlend alltägliche Probleme in einer Liebesbeziehung in den Fokus zu stellen.
Macht, Liebe, Abhängigkeit, Kontrolle, Eifersucht: Das sind die Themen, die Dayton und Faris nach dem Drehbuch von Hauptdarstellerin Zoe Kazan aufwerfen und mit einer spürbaren Note Filmmagie, einer Spur Verrücktheit und einem Hauch märchenhaften Ambientes in einen zauberhaft, wie nachdenklich stimmenden Film verwandeln.

Harry hat das erste Skript seines erfolgreichen Bruders Calvin gelesen. Stirnrunzelnd äußert er sich zu Calvins Verständnis von Frauen: „Du hast keinen Menschen geschrieben, sondern ein Mädchen“. Nichts anderes hat er getan: Eine Idealfigur geschaffen, eine Göttin gar wie in der griechischen Mythologie, wo Pygmalion sich in die von ihm erschaffene Statue verliebte.
Wenn Calvin dann morgens das erste Mal seinen Traum Ruby in lebendiger Version vor sich sieht, wissen die beiden Regisseure genau, wie sie ihre schräge Situation mit Hilfe von Timing, Schauspielerpräsenz und Witz so auf den Punkt bringen, dass der Kinosaal sich kaum noch halten kann.

Doch das Drehbuch belässt es nicht einfach bei einer schrägen Liebeskomödie, sondern punktet mit seiner Wandelbarkeit. Denn während ein kurzer Auftritt von Antonio Banderas noch genau in das Schema jener merkwürdigen Liebesgeschichte passt, ist es das sich veränderte Verhältnis zwischen Ruby und Calvin, was den Ausschlag für Dramatik, wie Psychokrieg gibt.
Denn Calvin ist nicht nur ein unfreiwilliges und verkanntes „Genie“, sondern ein machtbesessener Kontrollfetischist. Im Gespräch mit seiner Ex-Freundin – einer der besten Dialoge im Film – kommt auch dieser Wesenszug zum Vorschein.
Wie Calvin sich verändert, so wie er fühlt, so wie er handelt, wirkt bezeichnend für jede zweite „ganz normale“ Liebesgeschichte. Doch dank des phantastischen Aspekts der Story kann „Ruby Sparks“ einen Schritt weitergehen und den Kontrollaspekt auf eine absurde, dramatische, wie erschreckend furchteinflößende Ebene bringen.

„Ruby Sparks“ aber basiert nicht nur auf einer ausgefallenen und im Drehbuch gut ausgearbeiteten Idee, sondern wurde von dem Regiepaar Dayton und Faris und dem Darstellerpaar Paul Dano und Zoe Kazan (beide Paare sind auch im wirklichen Leben liiert) auch besonders einfühlsam umgesetzt.
Seit Danos Spiel in Paul Thomas Anderons „There Will Be Blood“ ist bekannt, dass er als Charakterdarsteller alles mimen kann. Hier wirkt er wie geschaffen für die Rolle als introvertierter Calvin. Kazan hingegen trägt ein liebenswert ungestümes Chaos in sich, auch das ideal für die Rolle. Und die Regisseure Dayton und Faris vermögen es, der kunstvollen fantastischen Geschichte einen real wirkenden Anstrich zu geben und (beispielsweise wenn Calvin seinem Therapeuten von seinem Traum berichtet und dabei die Wand anstarrt auf der das Erzählte zu sehen ist) dafür schöne Bilder zu finden, die die Grenzen zwischen Fantasie und Realität schwinden zu lassen.

Fazit: Ein ausgefallenes Drehbuch, gekonnt gespielt und einfühlsam und fantasievoll inszeniert. Ein zauberhafter Film, der voller Heiterkeit sein Publikum begeistern kann, während er es im gleichen Moment an die abscheulichsten Orte führt, die eine zwischenmenschlichen Beziehung hervorbringen kann. Sehr gelungen.





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