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Periferic - Deutsches Kinoplakat
Periferic - Deutsches Kinoplakat
© Peripher

Kritik: Periferic (2010)


Nur ein einziges Mal sieht man Hauptfigur Matilda in "Periferic", dem Langfilm-Debüt des in New York ausgebildeten rumänischen Regisseurs Bogdan George Apetri, lächeln. Nur ein einziges Mal wirkt sie entspannt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir der Freigängerin auf der Flucht schon rund 80 Minuten auf ihrem Weg durch eine triste, misstrauische Welt gefolgt, in der offenbar jeder ein Einzelkämpfer ist. Versprechen oder gar Liebe sind hier nichts wert, das einzige was zählt, ist Geld.
Für Matilda mag der auf diesen Moment folgende Tritt in die Magengrube überraschend kommen – für den Zuschauer allerdings nicht. Aufgeteilt in drei Kapitel, schildert der Film jene 24 Stunden, in denen Matilda versucht, das Gefängnis, Rumänien und ihre Vergangenheit für immer hinter sich zu lassen. Drei Kapitel, in denen der Zuschauer erst nach und nach, bruchstückhaft, mehr über Matilda und den Grund für ihre Haft erfährt und in der er langsam mehr Verständnis und Sympathie für die so abweisend und unterschwellig aggressiv wirkende junge Frau entwickelt.

Die großartige Hauptdarstellerin Ana Ularu trägt nahezu den gesamten Film auf ihren schmächtigen Schultern - sie ist in nahezu jeder Szene zu sehen. Mit ihrem trotzig-verbissenem Blick wirkt sie mitunter wie ein Kind – ein Kind allerdings, das man jeder Illusion schon lange beraubt hat und das misstrauisch, wie jeder hier, in die feindliche Welt blickt. Und obwohl sie so oft zu sehen ist, wirkt sie in jeder Sekunde real, wahrhaftig, nicht ein einziges Mal gespielt.

Aber auch die anderen Darsteller machen ihre Sache gut: Mimi Branescu, der Matildas Ex-Freund und Zuhälter Paul herrlich widerlich und abstoßend spielt, ebenso wie Andi Vasluianu als Matildas gleichermaßen besorgter wie enttäuschter Bruder Andrei und Timotei Duma in der Rolle des erst achtjährigen, freudlosen Toma.
Gefilmt ist das Sozialdrama in den tristen Farben des Realismus, mit langen Einstellungen, die Matilda häufig von hinten und fast immer eingerahmt von Mauern oder Gittern/Geländern, auf schier endlosen Fluren und Korridoren und nur selten in freier Umgebung zeigen. So bleibt Matilda bis zum offenen Ende zumindest optisch eine Gefangene.

Fazit: Gelungenes, ruhiges rumänisches Sozialdrama dass eher in kleinen Sälen oder Programmkinos zu sehen sein wird, dass aber Arthouse-Freunde, vor allem Dank der großartigen Ana Ularu, sicherlich in seinen Bann zu ziehen vermag.




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