VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Bela Kiss: Prologue
Bela Kiss: Prologue
© Kinostar

Kritik: Bela Kiss: Prologue (2011)


Bela Kiss ist der Name eines Serienkillers, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs 23 Frauen auf brutale Weise ermordet hat. Doch damit nicht genug: er saugte seinen Opfern das Blut aus und bewahrte sie in mit Alkohol gefüllten Metallfässern auf. Als man glaubte, Bela Kiss sei im Krieg gefallen, begutachtete die Polizei das Domizil des Mannes und stieß schließlich auf die Leichen in den Fässern. Die Leiche von Bela Kiss konnte jedoch bis heute nicht gefunden werden. Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wurde er angeblich immer wieder an verschiedenen Orten gesehen. Es war aber nie klar, ob es sich bei diesen „Erscheinungen“ wirklich um den Serienkiller oder nur um Trugbilder oder Einbildung handelte. Mehrere Jahrzehnte später befindet sich eine Gruppe von Bankräubern auf der Suche nach einem Versteck. Bald stoßen sie auf ein geheimnisvolles Hotel mitten im Wald, abgeschieden von jedweder Zivilisation. Sie glauben, einen sicheren Unterschlupf vor der Polizei gefunden zu haben, bis sich in dem Hotel merkwürdige Ereignisse häufen. Zuerst glaubt Julia (Kristina Klebe), einen Mord beobachtet zu haben und dann verschwindet auch noch Felix (Ben Bela Böhm). Das Hotel entwickelt sich für die Clique zu einem Alptraum, da anscheinend einer nach dem anderen liquidiert werden soll.

Im Mittelpunkt des Indie-Horrorfilms „Bela Kiss: Prologue“ steht die wahre Geschichte um den mehrfachen Serienmörder Bela Kiss, der 1877 in Österreich-Ungarn das Licht der Welt erblickte um 1914 zum Militärdienst eingezogen wurde, um im ersten Weltkrieg zu dienen. Als die Nachricht kam, Bela Kiss wäre gefallen, untersuchte die Polizei damals sein Anwesen und fand schließlich die 23 Fässer mit den ausgesaugten Frauenleichen. In den darauffolgenden Jahren wurde Bela Kiss jedoch angeblich an verschiedenen Orten immer wieder gesehen. Da man zudem seine Leiche nie fand, ging bald das Gerücht um, der Serienkiller sei noch am Leben. Auf geschickte Weise verbindet der Film „Bela Kiss: Prologue“ die Geschichte dieser grausigen, wahren Begebenheit mit der fiktionalen Story um eine Gruppe von jungen Bankräubern, die auf der Flucht vor der Polizei einen Unterschlupf sucht. Inszeniert wurde der Independent-Streifen von vier Absolventen der „European School of Film and Design“ in Esslingen. Trotz eines geringen Budgets gelang den Filmemachern ein optisch ansprechender, mit guten Effekten ausgestatteter Horrorfilm, der jedoch in Sachen Charakterzeichnung und Dialog die hohe Qualität dieser technischen Umsetzung nicht halten kann.

Die große Stärke von „Bela Kiss: Prologue“ ist seine Optik und technische Umsetzung – trotz eines äußerst geringen Budgets. Besonders gelungen sind die vielen Rückblenden zu den historischen Ereignissen, die z.B. Bela Kiss an der Front im Ersten Weltkrieg oder auch die Polizei zeigen, wie sie auf dem Anwesen des Serienmörders die Leichen in den Fässern findet. Diese Szenen sind ansprechend gelungen (extreme Zeitlupen, düstere Farbgebung, Schattierungen) und versehen die jeweiligen Ereignisse mit einer geheimnisvollen und gespenstischen Atmosphäre. Durch die geschickte Verquickung dieser Szenen aus der Vergangenheit mit den Geschehnissen um die Bankräuber-Clique in der Gegenwart, entsteht eine allgegenwärtige bedrohliche Stimmung, die beim Zuschauer immer wieder die Frage aufkommen lässt, ob der Serienkiller Bela Kiss tatsächlich noch am Leben und für die gruseligen Vorgänge im Hotel verantwortlich ist. Die Rückblenden lassen darüber hinaus ein atmosphärisch-düsteres Bild vom Budapest der 20er-Jahren entstehen, das an das schaurige, Furcht erregende London der Jack-the-Ripper-Ära erinnert.

Was der Film hinsichtlich seiner optischen und technischen Umsetzung zu bieten hat, lässt er auf dem Gebiet der Charakterzeichnung und (vor allem) bei den Dialogen vermissen. Die fünf Bankräuber sind klischeehaft gezeichnete, stereotype Figuren, mit denen man zu keinem Zeitpunkt des Films mitfühlt oder bangt. „Bela Kiss: Prologue“ schafft es zu keinem Zeitpunkt, dem Zuschauer seine Figuren näher zu bringen. Besonders nervig geriet der egozentrische, selbsternannte Anführer der Clique, der scheinbar mehr um seine Haare und sein Äußeres als um das Wohl der Gruppe besorgt ist. Die Filmemacher hätten sich zudem die ständigen Liebeleien und Gefühlswirrungen der Freunde untereinander sparen können. Auch die Dialoge können den hohen Standart der Optik des Films leider nicht halten. Diese sind an vielen Stellen allzu bedeutungsschwanger, prätentiös und unfreiwillig komisch geraten. Wer über diese Aspekte aber hinwegsieht und an ästhetisch ansprechendem und mit guten Spezialeffekten garniertem Indie-Horror seinen Spaß hat, kann sich den Film allemal ruhigen Gewissens ansehen.

Fazit: Der Indie-Horrorfilm „Bela Kiss: Prologue“ verbindet auf originelle Weise Vergangenheit und Gegenwart und punktet mit seiner gelungenen technischen Umsetzung und Optik. Diesen hohen Standart kann der Film in Sachen Charakterzeichnung, schauspielerischer Leistung und Dialog leider nicht halten.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.