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Pommes Essen
Pommes Essen
© farbfilm verleih

Kritik: Pommes Essen (2012)


Um ein echtes deutsches Kulturgut geht es in der Familien-Komödie "Pommes Essen" der deutschen Regisseurin und Drehbuchautorin Tina von Traben. Das kulinarische Heiligtum einer ganzen Region, das ebenso eng mit dem Ruhrpott verbunden ist wie Zechen, Bergbau und die Stahlindustrie: die Currywurst. Obwohl der Film im Ruhrgebiet angesiedelt ist und die Geschichte einer waschechten Pott-Familie erzählt, ist "Pommes Essen" doch so ganz anders als die klassischen Ruhrpott-Komödien, die vor rund zehn Jahren extrem angesagt waren ("Was nicht passt, wird passend gemacht", "Solino"). Regisseurin von Traben geht es in ihrem Film weniger darum, mit Brachialhumor, stereotypen Figuren und der Erfüllung diverser Pott-Klischees ein möglichst realistisches Bild vom Leben in dieser Region zu zeichnen (wie etwa in "Fußball ist unser Leben" mit Uwe Ochsenknecht). Vielmehr kreiert von Traben ein feinfühliges Feel-Good-Märchen für die ganze Familie, das zwar ein wenig brav ausgefallen ist und keine Risiken eingeht. Viele gelungene Einfälle und Details sowie die sympathischen Figuren sorgen dennoch für unterhaltsame 90 Minuten.

Seit dem Tod ihres Vaters, führt die toughe Frieda (Anneke Kim Sarnau) mit ihren drei jungen Töchtern seine Pommesbude weiter, allerdings wirtschaftlich erfolglos - und dass, obwohl Frieda das leckere Geheimrezept seiner Sauce vererbt bekommen hat. Die Konkurrenz kommt aus der eigenen Familie: Ihr hinterlistiger, einzig am großen Geld interessierter Bruder Walther (Smudo von den Fantastischen Vier) hat indes mit der Fast-Food-Kette "Pommes King" Karriere gemacht, ist aber noch nicht am Ende seiner Ziele.Im fehlt noch immer das Geheimrezept des Vaters. Um an das wohl gehütete Geheimnis zu kommen, ist ihm jedes Mittel Recht. Vor allem als es in einem Wettbewerb um das Stadion-Catering des MSV Duisburg darum geht, die beste Currywurst der Region zuzubereiten.Um an das Rezept zu kommen, ködert er Friedas älteste Tochter Patty, die von einer großen Karriere als Sterne-Köchin träumt, mit einem scheinheiligen Angebot.

"Pommes Essen" ist ein kleiner Wohlfühl-Film mit Herz und Humor, der in erster Linie mit seiner überzeugenden Darsteller-Riege und einer ganzen Reihe von netten Einfällen und Details punktet. Die Geschichte an sich ist harmlos und bietet kaum Überraschungen. Sie schildert den allseits bekannten Kampf vom kleinen Underdog gegen einen schier übermächtigen Gegner. David gegen Goliath. Oder: Pommesbude gegen Fast-Food-Kette.

Es sind die sympathischen Figuren und deren Konflikte, die die harmlose, ein wenig seicht geratene Geschichte um den Kampf gegen ein fieses Familienmitglied und den Wunsch nach Eigenständigkeit so unterhaltsam machen. Auf der einen Seite stehen die beiden jüngeren Schwestern Selma und Lilo, die den Wettbewerb unbedingt für sich eintscheiden wollen. Mit der handwerklichen Begabung von Selma und der Geschäftstüchtigkeit von Lilo, erhoffem sie sich den gewünschten Erfolg. Marlene Risch und Tabea Willemsen verkörpern ihre Rollen durch und durch glaubhaft. Auf der anderen Seite steht Patty, die ihre Zukunft nicht in einer kleinen Pommesbude verbringen sondern eine große, bekannte Köchin werden will. Am Besten noch mit eigener TV-Sendung. Patty strebt nach Eigenständigkeit und möchte aus dem engen Korsett aus Bude, Familie und Schule ausbrechen. Die Figur der resoluten, selbstbewussten Patty spielt die aus dem Fernsehen bekannte Luise Risch ("Unter Uns", "Der letzte Bulle"). Dank ihrer (für ihr junges Alter erstaunlichen) Leinwandpräsenz und ihres nachdrücklichen, ehrlichen Spiels, gelingt es ihr ohne Probleme den vielschichtigen Charakter ihrer Figur deutlich zu machen. Danben ragen vor allem Anneke Kim Sarnau als gestresste, stets um das Wohl ihrer Kinder besorgte Mutter und Thekla Carola Wied heraus, die als gutherzige Schrottplatzbesitzerin die Sympathien schnell auf ihrer Seite hat. Auch wenn ihr wenig überzeugender ausländischer Akzent doch arg aufgesetzt wirkt. Rapper und Gelegenheitsdarsteller Smudo ("Die Vorstadtkrokodile") als geldgieriger, böser Onkel Walther macht seine Sache akzeptabel, auch wenn er keine schauspielerischen Glanzpunkte setzen kann.

Darüber hinaus gefallen zudem die vielen netten, kreativen Einfälle, mit denen Regisseurin von Traben ihrern Film verfeinert hat. Sei es der nostalgische Schwarz-Weiß-Ausschnitt zu Beginn des Films, der einen Blick zurück in die erfolgreiche Vergangenheit der Bude wirft oder die vielen kurzen Animationsszenen, die immer wieder eingestreut werden. Diese sind zwar für die Handlung an sich ohne echten Wert und auch dramaturgisch ohne Belang, verdeutlichen aber, mit wie viel Herzblut von Traben ihren Film umgesetzt hat. Und schön anzusehen sind sie auch. Genauso verhält es sich mit den Tagträumen von Patty, die sich in ihrer Vorstellung schon als Sterneköchin mit eigener TV-Show sieht. Alles in allem sorgen diese "Spielereien" letztlich aber für frischen Wind und gute Unterhaltung.

FAZIT: "Pommes Essen" ist eine kindgerecht umgesetzte, kurzweilige Familienkomödie, die ihre Story-Schwächen durch die sympathischen Figuren und die vielen gelungenen Einfälle wett macht.




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