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Breathing Earth - Susumu Shingu Working with the wind
Breathing Earth - Susumu Shingu Working with the wind
© Piffl Medien

Kritik: Breathing Earth - Susumu Shingus Traum (2011)


Susumu Shingu im Ruhrgebiet. Der 75-jährige japanische Künstler steht in mitten monströser "Mondlandschaften", wie er mit seiner Frau über die Szenerie scherzt. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach Sponsoren für ihr ehrgeiziges Projekt "Breathing Earth" - so auch der Titel der Dokumentation von Thomas Riedelsheimer, der den verträumten Utopisten auf seiner weltweiten Suche begleitet hat. Ob in Paris, in Italien oder in der Türkei: Riedelsheimers Kamera war dabei um einen Künstler, wie Lebensphilosophen zu porträtieren.
In Gelsenkirchen, Deutschland ist Shingu von einer Reihe Investoren umgeben. Gerade noch scherzt er über seine Windräder. Diese waren früher lediglich Kunst, heute sollen sie auch effizient sein. Wenn man sich die Skulpturen ansieht, die Riedelsheimer seinem Publikum präsentiert, kommt man in der Tat nicht aus dem Stauen heraus. Doch die Investoren aus Deutschland sehen nur Mappen, Zeichnungen, aber niemals die Wucht dieser intelligenten Konstruktionen. So wünscht einer der Ruhrpottler lediglich ein "Good Luck!". Das war's dann auch. Die Suche geht weiter.

In "Breathing Earth" geht es um eine Vielzahl von Elementen: Um das Porträt eines ungewöhnlichen Mannes, um die Realisierung seines ambitionierten Projekts, wie um die Natur, um den Wind und das Wasser, der Shingus Werke erst zum Leben erweckt. Ein Künstlerfilm.

Doch der Zuschauer wird auf halber Strecke vergessen, es fehlt das mitreißende Moment, der Elan in den Bildern um von jenem des bereits 75-jährigen Japaners angesteckt zu werden. Denn dieser würde dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau mit seinem Motto "Zurück zur Natur" alle Ehre machen. "Wenn die Menschen keine Träume mehr haben, geschehen ihnen auch keine traumhaften Dinge", sagt er über sich, wie über den Menschen. Er hat sich seine Träume bewahrt, versucht sie auch im hohen Alter auszuleben und weiter zu geben. An die nächste Generation, die ihm überaus wichtig ist. So sieht man eine Gruppe von Kindern, zu Beginn des Films eine japanische Schulklasse, am Ende des Films eine deutsche Kindergartengruppe, die er von seiner Idee versucht zu begeistern. Im Einklang mit der Natur leben, im Einklang mit Wind und Wasser, der Bewegung zu folgen, wenn sie auch langsam vollzogen werde. So auch mit "Breathing Earth", der sein Tempo oftmals zu Gunsten des eigenen Anspruchs an die künstlerische Originalität verschleppt, statt an den Momenten zu intervenieren, wo der Zuschauer vor lauter "meditativer Wirkung" abschaltet. Es ist nicht immer einfach, dem langwierigen Treiben der Protagonisten zu folgen. Die Zielgruppe für diesen speziellen Dokumentationsfilm ist sehr klein, kann aber dafür aus den Vollen schöpfen.

Besonders in optischer Hinsicht kann "Breathing Earth" in seinem ruhigen Ton für ausdrucksstarke Bilder sorgen. Besonders das Bild einer umher wehenden Polle, die von Ort zu Ort getragen wird, unterstreicht das, was Shingu meint, wenn er, im Bezug auf Wind und Wasser vom "Absoluten" spricht. Erst der Wind ist es, der die Polle vorantreibt, die dadurch andere Pflanzen bestäubt, Leben generieren kann. Bildsprache ist Regisseur Shingu ein zentrales Thema neben den zahlreichen Interview-Parts mit dem lebensfrohen Japaner. Gerade die Aufnahmen der unterschiedlichen Windradskulpturen erweisen sich als ausdrucksstark, wie metaphorisch. Die Kraft des Wasser gebündelt, um den Antrieb einer Skulptur zu sein, die in der Utopie ganze Wohnungen mit Strom versorgen soll. Ja, utopisch geht es in "Breathing Earth" zu, was auch zu vereinzeltem Schmunzeln im Publikum sorgen wird. Über die Sinnhaftigkeit darf jeder selbst entscheiden. Das Aufzeigen eines solchen Lebens mit der Natur, wie es Riedelsheimer mit seinem Hauptdarsteller Susumu Shingu tut, hat einen Blick und eine Bühne verdient.

Fazit: "Breathing Earth" kann mit tollen Bildern überzeugen, doch fehlt es dem Film an jener Spritzigkeit, die den porträtierten 75-jährigen Künstler ausmacht. So schleppt sich die Doku gerade noch so über die Ziellinie.





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