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I want to run - Das härteste Rennen der Welt - Plakat
I want to run - Das härteste Rennen der Welt - Plakat
© Filmband 2011 mit Bildern von Jürgen Klemenz © CLS, Ludwigsburg

Kritik: I want to run - Das härteste Rennen der Welt (2011)


Von Süditalien zum Nordkap. Das sind satte 4.500 Kilometer. Eine Distanz, für die ein moderner Passagierjet gute fünf Stunden benötigt. Mit dem Auto können es schnell fünf Tage oder mehr werden, abhängig davon, wie viele Pausen der Fahrer einlegt. Kaum vorstellbar aber, dass es Menschen gibt, die diese Strecke, zu Fuß laufend, bewältigen. 64 Tage dauert der Transeuropa-Lauf, der längste und härteste Marathon der Welt. Dabei legen die Läufer jeden Tag durchschnittlich 70 Kilometer zurück. Die längsten Etappen haben sogar 90 Kilometer. Pausen gibt es lediglich nachts zum Schlafen. An jedem Morgen treten die Sportler um sechs Uhr in der Früh an, manchmal in Eiseskälte und laufen anschließend den ganzen Tag hindurch, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas zehn Kilometer die Stunde, bis sie ihr Etappenziel erreichen.

Der Regisseur Achim Michael Hasenberg begleitete 2009 über 60 Ultra-Langstreckenläufer auf ihrem Lauf quer durch den europäischen Kontinent. Dabei entstand ein Film, der erstaunlich unpathetisch, trotzdem tief berührend und in seinen knapp anderthalb Stunden keine Minute Langeweile aufkommen lässt. Über 60 Menschen, alle mit ihren Individualgeschichten, in dieser kompakten Zeit Raum einzuräumen, ist allerdings schlecht möglich. So ruht der Fokus denn auch exemplarisch auf wenigen Personen, beispielsweise dem 58-jährigen Achim Henkemes, einem der wenigen Läufer, die das Glück haben, mit einem Sponsor und unter professioneller Betreuung an den Start gehen zu können; Hiroko Okiyama, einer Hausfrau aus Tokio; einem an Multipler Sklerose erkrankten Familienvater, den das Laufen bis heute vor dem Rollstuhl bewahrte; einem französischen Friseur; und einem deutscher Optikermeister. Sie alle haben ganz unterschiedliche Motive, an diesem Lauf teilzunehmen. Was aber alle gemeinsam haben, ist der eiserne Wille, der sie Tag um Tag gegen Schmerz, Verletzung und (mentale) Erschöpfung ankämpfen lässt und weiter vorantreibt. Und obwohl sich über die Zeit eine Art Kollektiv unter den Sportlern bildet, ist im Grunde jeder von ihnen auf der Piste mit sich, seinem Geist und seinem Körper letzten Endes alleine. Von dieser beinahe legendären Einsamkeit des Langstreckenläufers wird oft berichtet. Hasenberg fängt die Athleten auch in solchen Augenblicken ein, in denen sich manch einer nach einer tröstenden Umarmung sehnt und wenn sie von Betreuer an der Versorgungsstelle kommt.

Neben diesen menschelnden Momenten, wird der Film mit seinem visuellen Stil, der wie bei einer epischen Reise, den Wechsel der Landschaften, von grünen Auen über städtische Metropolen bis kargen windgepeitschten Berggipfeln einfängt, gleichsam auch zu einer Art Roadmovie. Oft genug zeigt sich dabei, dass die Natur für die Läufer durchaus auch zum Feind werden kann, der selbst die Härtesten unter ihnen an die Limits bringt. Am Ende wird für viele der persönliche Triumph darin bestehen, all dem getrotzt zu haben und es bis ins Ziel geschafft zu haben.

Fazit: "I Want to Run" ist eine ebenso faszinierende wie bewegende Dokumentation, über Menschen, die ihre Grenzen in Bereiche verschieben, die für viele andere kaum verstellbar wären. Die gelungene Verbindung aus persönlichen Aussagen der Läufer, einer starken Bildsprache und dem stimmungsvollen Score gestaltet den Film überaus kurzweilig und sehenswert, auch für Nichtläufer.





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