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Dracula 3D
Dracula 3D
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Dracula 3D (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Dario Argento ist einer der besten Genre-Regisseure aller Zeiten. Mit Filmen wie "Rosso – Die Farbe des Todes" (1975) und "Tenebrae" (1982) hat er das genuin italienischen Genre des Giallo geprägt wie außer ihm nur noch Mario Bava. Ähnliches lässt sich zu seinen Horrorfilmen "###f-2995118 ###" (1977) und "Horror Infernal" (1980) sagen. An letzteren hat der große Bava sogar persönlich mitgearbeitet. Doch ist das Gerede um Dario Argentos künstlerischen Niedergang mittlerweile älter, als mancher Kritiker, von dem es stammt. Dabei ist es richtig, dass Argentos letztes richtiges Meisterwerk mit "Terror in der Oper" (1987) bereits über ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Aber immerhin hat er auch danach mit "The Stendhal Syndrome" (1996) und "Sleepless" (2001) noch zwei sehr starke Filme gedreht. Allerdings waren spätestens seine letzten beiden Filme "Mother of Tears" (2007) und "Giallo" (2009) tatsächlich dermaßen schlecht, dass viele meinten, ab jetzt könne es eigentlich nur noch wieder besser werden.

Leider muss gesagt werden, dass entgegen diesem Wunschdenken Argentos neuestes Machwerk "Dracula 3D" einen neuen Tiefpunkt im Oeuvre des einstigen Meisters markiert. Dabei besteht die einzige schwer zu entscheidende Frage darin, welches missratene filmische Element in dieser Horror-Klamotte am meisten stört. Sind es die absolut billigen Computeranimationen und Effekte, die bereits vor 20 Jahren für unfreiwillige Komik gesorgt hätten oder ist es der penetrant nervende Geister-Score? Wirken fast alle Charaktere deshalb so charakterschwach, weil die Schauspieler so mittelmäßig sind oder liegt es eher an den unterirdischen Dialogen, die den armen Mimen in den Mund gelegt werden? In diesem Zusammenhang muss natürlich daran erinnert werden, dass Argento früher zwar einmal ein brillianter Inszenierungskünstler war, von Schauspielführung jedoch nie viel mehr als ein durchschnittlicher Möbelpacker verstanden hat.

Trotzdem hatte z.B. Thomas Kretschmann in Argentos "The Stendhal Syndrome" einen der besten Psychopathen seit Dennis Hopper in David Lynchs "Blue Velvet" gespielt. Der von ihm verkörperte Dracula hat jedoch nicht mehr Charisma als ein gewöhnlicher Versicherungskaufmann. Auch des Meisters Tochter Asia Argento bleibt in "Dracula 3D" erstaunlich blass – und dies bezieht sich nicht alleine auf ihre ungesunde Gesichtsfarbe. Immerhin darf sie ausgiebig ihre Brüste in 3D der Kamera entgegen recken. Aber Asia hat damit ja auch bereits Erfahrungen seitdem sie im zarten Alter von 18 Jahren erstmals nackt vor der Kamera ihres Vaters stand...

Somit hat dieser trotz mieser Digitaltechnik reichlich altbacken wirkende Film mit Blut und Brüsten immerhin zwei essentielle Zutaten für ein rundum anspruchsloses Schundfilm-Vergnügen. Aber weder, wenn Dracula mit blutverschmiertem Gesicht herumläuft noch wenn er geschwind jemanden den Kopf abreißt wirkt dies wirklich erschreckend. Und spätestens, wenn sich der Graf in eine grottenschlecht animierte überdimensionale Heuschrecke verwandelt, dürfte auch dem letzten Betrachter deutlich werden, dass "Dracula 3D" eher als eine Parodie angelegt ist. - Argento hatte ja schon immer einen etwas eigenartigen Humor und bereits in seinen klassischen Gialli konnte es durchaus passieren, dass unverhofft Bud Spencer einen Gastauftritt als rohe Fische samt Kopf essender "Gott" hatte ("Vier Fliegen auf grauem Samt", 1971). - Somit können immerhin hartgesottene Trash-Fans bei "Dracula 3D" einen Blick riskieren. Aber selbst denen könnte der Film recht schnell langweilig werden...

Fazit: "Dracula 3D" markiert einen neuen Tiefpunkt in der an Tiefpunkten bereits reichen Filmografie des einstigen Meisterregisseurs Dario Argento.




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