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Dog Flesh
Dog Flesh
© Hanfgarn & Ufer Filmproduktion GbR

Kritik: Carne de Perro - Hundefleisch (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Dog Flesh" ist der neue Film des chilenischen Regisseurs Fernando Guzzoni. Der Film wurde in seiner Heimat Chile auch deswegen so gefeiert und positiv aufgenommen, da er sich als eines der ersten Werke überhaupt mit den Tätern des berüchtigten Pinochet-Regimes auseinandersetzt und einem solchen erstmals die Hauptrolle in einem Film zugesteht. Augusto Pinochet riss 1973 durch einen Militärputsch die Macht in Chile an sich führte das Land bis 1990 diktatorisch mit eiserner Hand. Zuerst regierte er als Vorsitzender einer Militärjunta, später als Präsident. Demokratisch gewählt wurde Pinochet jedoch nie. Unzählige Morde und Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder Vertreibung gehen auf das Konto des brutalen Diktators und dessen Regime.

Dies muss man wissen, um die bedrückende Stimmung von "Dog Flesh" verstehen zu können. Regisseur Guzzoni kreierte ein lakonisches, schwermütiges, ja fast depressives Drama mit einem großartigen Hauptdarsteller. Dass "Dog Flesh" am Ende dennoch enttäuscht, liegt an den Erklärungen und Informationen, die der Regisseur seinem Publikum letztlich schuldig bleibt, was dafür sorgt, dass am Ende des Films mehr Fragezeichen stehen als zu seinem Beginn.

Das Positive vorweg: Alejandro Goic' Darstellung des melancholischen, geplagten Mannes, der während der Pinochet-Diktatur als brutaler Folterer arbeitete, ist schlichtweg atemberaubend. Mit gesenktem Haupte und herunterhängenden Schultern spielt er einen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich gebrochenen Ex-Täter. Der Zuschauer folgt Alejandro durch einen spannungsarmen, von einer kaum zu ertragenden Eintönigkeit gefärbten Alltag. Dieser Alltag wird noch ermüdender, als Alejandros Taxi kaputt geht und er seiner gewohnten Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann. Man begleitet den wortkargen Mann bei gedankenverlorenen Spaziergängen am Strand, wie er leidend zu Hause auf seinem Bett sitzt und zu verzweifeln droht oder dabei, wie er unter der Dusche steht und fast unter der Last der Gedanken an seine begangenen Taten zusammenbricht. Und so liegt es ganz sicher nicht an der Leistung von Goic, dass "Dog Flesh" am Ende dennoch nicht funktioniert.

Denn Regisseur Guzzoni bleibt jegliche Erklärung schuldig, was Alejandro genau während der Diktatur an Gräueltaten beging. Er liefert nicht einmal den Ansatz einer Information über die genaue Täterrolle seiner Hauptfigur. Dem Zuschauer bleiben letztlich nur Vermutungen und Mutmaßungen. Zudem setzt der Filmemacher elementares Wissen über die jüngere Geschichte Chiles voraus. Es wird vom Zuschauer erwartet, dass er genau darüber Bescheid weiß, mit welchem Terror der südamerikanische Staat in den 70er- und 80er-Jahren überzogen wurde. Dies sind zwar nicht die einzigen Informationen, die der Regisseur verschweigt – aber die elementarsten und zentralsten. Das ist schade, denn Hauptdarsteller Goic ist freilich nicht in der Lage, den Film allein durch seine famose Leistung zu tragen.

Fazit: Herausragend gespielte Charakterstudie über einen ehemaligen Täter, die sich jedoch jeglicher Hintergrundinformationen und Erklärungen verweigert.





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