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Am Ende der Milchstraße - Plakat
Am Ende der Milchstraße - Plakat
© Neue Visionen Filmverleih

Kritik: Am Ende der Milchstraße (2012)


Wenn man Menschen sieht, die durch den Schnee stapfen, um den Pferden Futter zu bringen und Holz für den Ofen zu holen, wirkt das wie Werbung für das so trendige Landleben. Der Alltag der Bewohner von Wischershausen ist karg, aber naturnah, der Blick auf die flache Landschaft eintönig, aber die Weite vermittelt auch ein Gefühl von Freiheit. Die beiden Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig haben sich in einem vergessenen Winkel Deutschlands umgesehen. Ihr atmosphärisch dichter Dokumentarfilm geht der Frage nach, wie die Menschen, denen es hier an so vielem mangelt, ihr Leben eingerichtet haben.

Eine eigentümliche Mischung aus Intaktem und Spuren der Beschädigung fesselt die Aufmerksamkeit des Betrachters. Indem er auf stille Beobachtung setzt, lädt der Film dazu ein, Analogien zu ziehen zwischen der äußeren, gegenständlichen Welt und den Befindlichkeiten der Menschen. Draußen ziehen die Jahreszeiten vorbei, mal werden Gabis Pferde zur Arbeit am Acker eingespannt, mal führt sie sie durch den Schnee. Strohballen bieten den Kindern eine willkommene Gelegenheit zum Herumturnen, Zugvögel formieren sich. Aber es stehen auch verrostete Wohnwägen in der Landschaft, ausrangierte Gegenstände, und in den Wohnungen sieht es oft renovierungsbedürftig aus. Viele Menschen haben nach der Wende Schlimmes erlebt – Gabis Mann zerbrach an der Arbeitslosigkeit und trank sich zu Tode. Ihr Sohn erzählt über seine Unzufriedenheit mit dem geringen Verdienst bei einer Zeitarbeitsfirma, Bauer Maxe macht sich Sorgen wegen seinem wehen Fuß. Die DDR ist hier noch ziemlich präsent, weil es vielen damals materiell besser ging, und sich später das Gefühl einschlich, vom Arbeitsmarkt abgehängt worden zu sein.

Der Film will nicht Mitleid erwecken, sondern beweist ein lebhaftes Interesse für das Miteinander in diesem Dorf, die gegenseitige Hilfe und die Zufriedenheit mit dem, was da ist. So stimmungsvoll und emotional spannend die gesammelten Impressionen auch sind, die Menschen bleiben vor der Kamera zu wortkarg. Das liegt weniger an ihnen selbst, sondern an der Machart des Films, der Konkretes, Faktisches zugunsten der Atmosphäre vernachlässigt. Das ist ein wenig schade und erschwert auch die Orientierung, weil man oft nicht erfährt, wer zu wem gehört.

Fazit: Der atmosphärisch intensive Dokumentarfilm beobachtet die Bewohner eines abgeschiedenen Dorfs in Mecklenburg-Vorpommern, die sich arm und chancenlos fühlen könnten, aber versuchen, jeder für sich und mit gegenseitiger Hilfe über die Runden zu kommen.





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