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Puppe, Icke & der Dicke
Puppe, Icke & der Dicke
© drei-freunde

Kritik: Puppe, Icke & der Dicke (2012)


Dass das Genre des Roadmovies nicht gerade die Stärke des deutschen Films ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Zu den Lichtblicken wie "Knocking On Heavens Door" oder "Im Juni" gesellt sich nun jedoch "PUPPE, ICKE UND DER DICKE".
Erfrischend humorvoll ohne ins Alberne abzugleiten zeigt uns Felix Stienz in seinem Spielfilmdebüt, dass gute Nachwuchsfilme auch außerhalb der Filmschulen gelingen können.

Auf ihrer Fahrt von Paris nach Berlin lernt sich das ungleiche Trio, bestehend aus der blinden Pariserin Europe, dem kleinwüchsigen Bomber und dem stummen Bruno kennen. Die Auswahl der Charaktere ist hierbei bei aller Überspitzung gut gelungen. Sei es der notorisch permanent schlecht gelaunte Bomber, der immer zufrieden wirkende, gemütliche Bruno oder die etwas "ameliehafte" Europe. Genügend Stellen zum Schmunzeln ergeben sich bereits aus der Tatsache, dass alle drei des Englischen nicht sonderlich mächtig sind. So zum Beispiel, wenn Bomber mit seiner Berliner Schnauze nach ein paar kläglichen Versuchen wieder ins Deutsche verfällt und eher mit sich selber redet.

Stienz vermeidet es glücklicherweise, kulturelle Klischees in den Vordergrund zu rücken und betont vielmehr die Unterschiedlichkeit der einzelnen Protagonisten und ihres Backgrounds. Die Darstellung Bombers ist dabei vielleicht ein wenig zu sehr überspitzt, was dem Film aber keinen Abbruch tut.

Umso gelungener ist die musikalische Begleitung. Beinah immer, wenn Musik ertönt, erscheint auch der Musiker. Mit der Band "Jane Walton" ist Stienz ein Glücksgriff gelungen. Völlig unterschiedliche Musikstile finden ihren Platz in dem Film, von urkomisch bis melancholisch sentimental betonen sie, im wahrsten Sinne des Wortes, die einzelnen Sequenzen.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg neue Gesichter auf der Leinwand, lediglich Matthias Scheuering (Bruno) dürfte einigen aus diversen "Tatort" und "Polizeiruf 110" Sendungen bekannt sein. Umso erfrischender ist die Authentizität, mit der sie ihre Rollen spielen. Das mag vielleicht daran liegen, dass Stienz die Rollen auf die Darsteller zugeschnitten hat, wie er in einem Interview sagte.

Fazit: Witzige Dialoge und ein amüsanter Erzählstrang machen "PUPPE, ICKE UND DER DICKE" zu einer gelungenen deutschen Nachwuchsproduktion, die Konventionen sprengt und Hoffnungen für die Zukunft des deutschen Films weckt.





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