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Sag, dass du mich liebst - Hauptplakat
Sag, dass du mich liebst - Hauptplakat
© barnsteiner-film © Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: Sag, dass du mich liebst (2012)


Regie bei diesem mit Elementen der Neurosenkomödie ausgestatteten Drama führte Pierre Pinaud, für den "Sag, dass du mich liebst" das Spielfilmdebüt ist. Pinaud ist bereits kein Unbekannter mehr: 2009 gewann er den französischen Filmpreis César für sein 30-minütiges Werk "Les miettes", der damit als bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Für die Hauptrolle in "Sag, dass du mich leibst" konnte er Karin Viard verpflichten, die zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen Frankreichs zählt. Seit den späten 80er-Jahren wirkte sie in über 60 Film- und Fernsehproduktionen mit, zuletzt u.a. in den international gefeierten Filmen "Nichts zu verzollen" (2010) und "Familientreffen mit Hindernissen" (2011). Nadia Barentin ("Das Leben: Eine Lüge", 1996) ist hier als Mutter von Mélina in ihrer letzten Rolle zu sehen. Die französische Film- und Theaterschauspielerin starb im Frühjahr 2011 im Alter von 74 Jahren. Mit "Sag, dass du mich liebst" gelingt Pinaud eine leise, exzellent gespielte Tragikomödie, die gekonnt zwischen tragischen und komischen Elementen changiert.

Die große Stärke von "Sag, dass du mich liebst" ist zunächst einmal die großartige Karin Viard, die die zwei Seiten von Mélina bzw. Claire, wie sie im wahren Leben heißt, klar und nuanciert darstellt. Da ist zum einen die erfolgreiche Radiomoderatorin Mélina, die im Beruf alles erreicht hat und zudem dank ihrer Ausstrahlung und kühlen Eleganz bei den Männern sehr gut ankommt. Aber hinter dieser Fassade verbirgt sich das wahre Gesicht der landesweit bekannten Moderatorin: es ist das Gesicht der unsicheren und introvertierten Claire, die nach all den Jahren noch immer ungemein darunter leidet, dass sie als Kind von ihrer Mutter getrennt wurde und ohne ausreichend Liebe und Fürsorge aufwachsen musste. Viard verkörpert die Hauptfigur mit viel Leidenschaft und Hingabe, aber mit mindestens ebensoviel Charme und Ausdruck. Ihr gelingt es, dem Zuschauer den schwer zugänglichen, komplizierten Charakter von Mélina bzw. Claire nahe zu bringen und Mitgefühl für sie entstehen zu lassen. Stück für Stück legt Viard die Verletzlichkeit ihrer Figur frei.
Auch die übrigen Darsteller, allen voran Nadia Barentin und Nicolas Duvauchelle, machen ihre Sache gut, werden von Viard aber freilich an die Wand gespielt. Regisseur Pinaud hat zudem den Versuch unternommen, sein Drama auch mit komischen Momenten anzureichern.

Wir wissen: Neurosen sind oft der Ersatz für die eigentlichen Sorgen und Nöte einer Person. Aus diesem Grund hat Claire eine ganze Reihe an Macken entwickelt, die im Film durchaus für den ein oder anderen Schmunzler sorgen und ihm ein wenig von der Dramatik und bleiernen Schwere nehmen. Claire hat einen ausgesprochen stark ausgeprägten Schuh-Tick und ist fanatisch ordnungsliebend. Fremde Sachen fasst sie nur mit Handschuhen an und nur ihr Hund darf ihr so richtig nahe kommen. Alles ändert sich, als sie erfährt, dass ihre Mutter noch lebt und dazu noch ganz in ihrer Nähe. Ab diesem Zeitpunkt begibt man sich mit Claire auf eine Tour-de-Force auf dem Weg ins Herz der Mutter, für deren Liebe sie letztlich alles geben würde. Um diesen Kampf geht es letztlich auch in dem Film. Claire kämpft nicht um die Liebe eines Mannes, sondern um die Liebe ihrer Mutter. Eine Mutter, die sie nie hatte.

Fazit: "Sag, dass du mich liebst" ist dank der umwerfenden Hauptdarstellerin Karin Viard und der überzeugenden Mischung aus tragischen und komischen Elementen eine gefühlvolle Tragikomödie mit Schmunzel-Garantie geworden.




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