Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
House at the End of the Street - Poster
House at the End of the Street - Poster
© Universum Film © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany © Squareone

Kritik: House at the End of the Street (2012)


Als in der Spätphase des Kinojahres 2012 "The Cabin In The Woods" die deutschen Kinos erreichte, rieb sich so mancher Kinobesucher ungläubig die Augen über den kurzen und selbstironischen Auftritt von Actionheld Chris Hemsworth. Der Rächer der Marvel-Superhelden, der kühne "Thor", der schöne Muskelmann: Lediglich Nebendarsteller in einer aberwitzigen Horror-Persiflage? Nur einer unter vielen die ihr Leben für den Spaß des Zuschauers geben müssen? Warum sollte sich der längst im Aufwind befindliche Darsteller für eine so plumpe Rolle herschenken?
In diesem Fall ist es ratsam das Kleingedruckte zu lesen. Regisseur Joss Wheddon stellte den Streifen bereits 2009 fertig, bevor er sich mit jenem Hemsworth und weiteren Stars an die Realisierung des Blockbuster-Projekts "The Avengers" setze. Einzig die stetigen Probleme mit dem Verleih verzögerten den Kinostart des Horrorstreifens um Jahre. Am Ende erreichte die Karteileiche aber doch noch die große Leinwand und schlug ein wie eine Bombe.
Ähnliche Gedanken mögen nun auch im Bezug auf Jennifer Lawrence‘ 2013 im deutschen Kino erscheinenden Auftritt im Teenie-Horror "House At The End Of The Street" aufkommen, wo doch der Shootingstar 2012 längst keine Rollen mehr in kleinen Nischenproduktionen benötigt. Eine Oscar-Anwärterin ist sie - kein schreiender Teenie, der sich in die Hose macht.
"Fall Hemsworth" und "Fall Lawrence" haben ihre Ähnlichkeiten - Lawrence verpflichtete sich vor "Die Tribute von Panem" für den Film von Mark Tonderai, der schlichtweg einen verdammt verspäteten Kinostart genießt. So darf der Zuschauer Lawrence noch einmal in jung und unschuldig sehen und erlebt dabei den Grund dafür, dass die US-Amerikanerin immer gefragter ist: Sie rettet den zerfahrenen und überraschend konventionell ausgefallenen Film ins Mittelmaß.

Ein wenig Romantik und Liebesgeschichte hier und da eine Portion Horror, dazu eine Mutter-Tochter Geschichte und viel Psycho-Terror: Regisseur Mark Tonderai hängt sich an viele Stilmittel mit seinem krampfhaften Versuch, ja nicht in ein Genre eingeordnet zu werden. Das geht nicht unbedingt deswegen schief, weil sich Tonderai mit seiner Vielschicht-Taktik selbst zwischen alle Stühle setzt, sondern schlicht durch den zerfahrenen Weg, den der Film dadurch nimmt. Wenig wirkt ausgereift, kaum ein Charakter fügt sich nicht seinem Klischee, weil eben kaum Zeit für konzentrierte Charakterisierung bleibt. Gleichzeitig umhüllt den Film stets eine Horror-Geschichte, die nicht nur selten spannend ist, sondern jeglichen Reiz an der tiefgründigen "coming-of-age" Geschichte durch seltsame Drehbucheinfälle, überrumpelnde Twists und wenig lineare Wendungen sabotiert. Standardisiert wirkt der Horror, gar aus der Retorte stammen die Effekte und kaum einmal hält sich der Puls der Zuschauer oder auch nur der Rhythmus der Bilder hoch. Dafür wirkt das Prozedere um ein einsames Nachbarhaus viel zu bekannt und offensichtlich. Gerade der Teil um Mutter Sarah, die lieber mit ihrem Beruf, als mit ihrer Tochter verbringt, vollendet die Gleichung eines hübsch anzusehenden, aber kaum fesselnden Thriller, dessen psychologisches Profil wenig Grund zu Jubelstürmen lässt. Der Klang eines typischen Hollywoodcharakters hallt jeder Figur nach.
Im Gegensatz dazu kauft der Zuschauer die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Elissa und Ryan stellenweise ab – auch wenn diese unter dem paradoxen "Twilight"-Stern steht. Nun einmal mehr auf Horror getrimmt: Eine neue Umgebung, ein junger, attraktiver, aber rätselhafter Mann, der ein Geheimnis birgt. Aber immerhin zeigt sich an diesen Stellen, dass Jennifer Lawrence beim hektischen Durch-die-Gegend-rennen unterfordert ist, ihrer Figur aber in den ruhigen Momenten Charisma, Ausdruck und Präsenz verleihen kann. Ihre Darstellung rettet so manches Fiasko - wozu sich auch der finale und überhoben aufgesetzte End-Twist zählen darf, während sich der Film gerade in Bezug auf die Mutter-Tochter Beziehung kaum vom Fleck der allgemeinen Klischeeverteilungen wegbewegen kann.
Regisseur Tonderai ist dabei nicht einmal vorzuwerfen, dass sein Ende nicht aufgehen oder in ein Logik-Loch fallen würde. Doch er möchte zu viel, er will noch einen Zahn zulegen, noch eine Finte einbauen, und damit noch genialer sein, als er es sein kann. Dass das Ganze aber über die gesamte Laufzeit atmosphärisch ordentliche Ware bleibt, liegt an dem Ausbleiben von Horror-Szenen, die auf Blutrünstigkeit und Ekel setzen. Die vorhanden Schocmomente sind spärlich und mögen auch nicht wirklich überzeugen, doch gliedern sie sich dem allgemeinen Tenor des Film unter.

Fazit: "House At The End Of The Street" überzeugt nur selten und endet letztlich im Mittelmaß. Der Auftritt von Jennifer Lawrence ist allerdings - wie so oft - hinreißend.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.