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Kritik: Meteora (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der erst zweite Spielfilm des jungen griechischen Regisseurs Spiros Stathoulopoulos ist ein sehr poetisches Werk voller Kraft und voller Schönheit. In "Meteora" sind der Handlungsort und die Handlung weitestgehend identisch. Die auf inmitten einer Ebene monumental aufragenden Bergen gelegenen Klöster verströmen eine archaische Härte und zugleich eine tiefe spirituelle Kraft, die auf atemberaubende Weise in langen ruhigen Kameraeinstellungen eingefangen wird. - Was für ein Wille ausgerechnet den unzugänglichsten Ort der gesamten Gegend zu besiedeln! - Bedrohlich gegen den spitzen Felsen schaukelt das aus groben Tauen geflochtene Seilnetz, in das sich Urania bei jeder Rückkehr in ihr Kloster begeben muss. Oben knarrt das alte Holz der Seilwinde und stöhnen die alten Nonnen, die ihre Klosterschwester unter größter Mühe hochziehen.

Dies ist ein Leben wie in einem antiken Denkmal, das entgegen allen Gesetzen die Zeit überlebt hat. Theodoros' komplett aus groben Mauerwerk bestehenden Zimmer, wirkt fast wie eine aus dem Felsen geschlagene Höhle, die trotz der in zahlreichen Nischen untergebrachten Heiligenbildchen nicht wirklich wohnlich ist. Doch für Theodoros erfüllt zumindest eines dieser Bildchen einen ganz besonderen Zweck, der es ihm umso wertvoller macht: Die glatte Oberfläche dient ihm als Spiegel, mit dessen Hilfe er Lichtflecken auf ein im gegenüberliegenden Kloster gelegenes Fenster werfen kann. Hinter jenem Fenster liegt das Zimmer von Urania, die das Signal ihrerseits erwidert. Dieses Tanzen der Lichtflecken ist einer der fast magischen Momente des Films, voller Zärtlichkeit und voller Poesie. Ohne Worte zeigt er, wie diese zwei Seele zueinander drängen und sich quasi gegenseitig umtanzen, inmitten eines Umfelds, das durch größtmögliche Strenge und absoluten Konformismus gekennzeichnet ist.

Oft grenzt die Bildsprache von "Meteora" an die eines Experimentalfilms. Zwischen die langen poetischen Landschaftsaufnahmen sind einzelne Animationssequenzen eingeflochten, die dem Thema und Stil des Films entsprechend an bewegte Ikonen erinnern. Sie ergänzen die äußere sichtbare Welt um die geistige Welt des Innenlebens der beiden Protagonisten und spiegeln ihre inneren Konflikte und Kämpfe. Das Ergebnis ist ein im besten Sinne künstlerischer Film, der jedoch rein gar nichts von angestaubten europäischen Arthouse-Manierismen hat. Stattdessen bringt "Meteora" frischen Wind in die europäische Kinolandschaft hinein.

Fazit: "Meteora" ist ein sehr ruhiges, konzentriertes und bildgewaltiges Drama, um eine Liebe, die nicht sein darf. Der beeindruckende griechische Film strotzt voller Kraft und Poesie und hat zudem einen experimentellen Schalk im Nacken sitzen.





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