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Der Papst ist kein Jeansboy
Der Papst ist kein Jeansboy
© Stadtkino Filmverleih

Kritik: Der Papst ist kein Jeansboy (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Laut eigener Aussage betreibt Hermes Phettberg vor allen Dingen "Ich-Kunde", er beschäftigt sich allerdings nicht nur mit sich selbst, sondern hat den Prozess der Erkundung und seine Erkenntnisse auch immer schon gerne öffentlich ausgebreitet. Sobo Swobodniks Dokumentarfilm bietet dem faszinierenden Österreicher nun erneut Gelegenheit, intime Einblicke in sein Leben zu gewähren, nachdem das Fernsehen sich schon lange nicht mehr für Phettbergs Obsessionen und Leidenschaften interessiert.

Einiges ist geschehen seit Phettbergs Karrierehoch mit seiner Nette Leit Show Mitte der 1990er Jahre, unter anderem hat eine ganze Reihe von Schlaganfällen dem ehemaligen Talkmaster schwer zugesetzt. Swobodniks Film blickt nicht zurück, sondern steigt gleich in den Alltag des stark abgemagerten und sich nur mit Mühe artikulierenden Phettbergs ein. In Schwarzweiß-Aufnahmen, die ebenso um Schärfe ringen, wie Phettberg es mit den Worten tut, zeigt die Dokumentation ihren Protagonisten beim Schreiben und Essen sowie gelegentliche Besuche von Freunden. Dabei gewährt Phettberg gleichsam Einblicke in seine pornografische Sammlung wie in sein Seelenleben und zeigt sich bei aller Misanthropie doch immer wieder erstaunlich verletzlich und liebenswert.

Swobodnik beobachtet das alles – das Selbstmitleid, die obszönen Selbstinszenierungen, die kindliche Liebesbedürftigkeit – ohne Aufregung oder Empörung und schafft so fernab von Rührseligkeit und falscher Romantik das beeindruckende Porträt eines gesellschaftlichen Außenseiters. "Der Papst ist kein Jeansboy" schaut interessiert dort hin, wo Schmerz, Trauer und Hässlichkeit warten und versucht sich an einer Bestandsaufnahme des Randständigen. Manchmal ist das unbequem und nur schwer zu ertragen, doch der Blick lohnt allein schon aufgrund der großen Zärtlichkeit und des menschlichen Humors, der sich hier entdecken lässt.

Fazit: Mit seinem Dokumentarfilm ist Sobo Swobodnik das beeindruckende Porträt eines gesellschaftlichen Außenseiters gelungen. Abseits von falscher Rührseligkeit entdeckt der Film seinen bisweilen schwer zu ertragenden Protagonisten als zärtlichen und humorvollen Menschen.




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