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Plakat - Mark Lombardi - Kunst und Konspiration
Plakat - Mark Lombardi - Kunst und Konspiration
© Real Fiction

Kritik: Mark Lombardi - Kunst und Konspiration (2012)


Der amerikanische Künstler Mark Lombardi wurde durch seine handgezeichneten Bilder berühmt, in denen er die globalen Verstrickungen und Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Terrorismus visualisierte. Seine detaillierten, großformatigen Diagramme legten durch ein ausgeklügeltes Pfeilsystem die gegenseitigen Einflüsse von Finanzwelt und Politik offen. Lombardi stellte mit ihnen politische Machtstrukturen, Finanzintrigen und Skandale auf künstlerisch-ästhetische Weise dar. So schuf er z.B. Zeichnungen über die Verbindungen der Vatican Bank, Opus Dei, George W. Bush und der Bank of Credit and Commerce International. Die Basis für seine Werke stellten eine jahrelange intensive Recherchearbeit sowie unzählige Karteikarten dar, auf denen Lombardi die Ergebnisse seiner Recherchen akribisch festhielt und niederschrieb. Lombardis Werke enthielten dutzende Namen von Personen, Organisationen, Behörden oder politischen Parteien, deren Strukturen und Verflechtungen untereinander mit Hilfe von Pfeilen sichtbar wurden.

Kurz nach seiner bis dahin größten Ausstellung in einem New Yorker Museum wurde Lombardi im März 2000 tot in seinem Atelier aufgefunden. Laut Behörden beging er Selbstmord. Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass Lombardi vom FBI überwacht wurde und vor seinem Tod immer wieder Drohanrufe erhielt. Die Arbeit, das Leben und der mysteriöse Tod des Künstlers Mark Lombardi – ein Stoff, wie gemacht für einen spannenden Polit-Thriller. Dieses Leben und Werk nahm die aus Westfalen stammende Regisseurin und Autorin Mareike Wegener zum Anlass für ihren informativen, handwerklich überzeugenden Dokumentarfilm "Mark Lombardi – Kunst und Konspiration". Wegener legt einen Film vor, dem die Vermittlung von umfassenden, gründlich recherchierten Informationen wichtiger ist als Vermutungen und Spekulationen, z.B. über die Umstände und Hintergründe von Lombardis Tod. Dies hätte dem Künstler gefallen, stellten detaillierte Informationen und ausführliche Recherchen doch seit jeher das Fundament für seine eigene Arbeit dar.

Regisseurin Wegener stellt in "Kunst und Konspiration" folglich nüchterne Fakten und Informationen ins Zentrum ihres ersten abendfüllenden Films, der auf diese Weise ein genaues und realistisches Bild eines Mannes zeichnet, für den die Information alles war. Wegener lässt Künstlerkollegen, Weggefährten sowie Eltern und Geschwister zu Wort kommen, die umfassend über einen Mann berichten, über den in der Öffentlichkeit nicht allzu viel bekannt war. Die Gespräche verdeutlichen sehr schnell, dass Lombardi immer schon ein wenig anders war und auf seine Mitmenschen aufgrund seiner Vorliebe für Archive und Fachliteratur oft sonderbar wirkte. Schon während seines Studiums der Kunstgeschichte in New York entwickelten sich seine Leidenschaft und sein Interesse für politische Skandale und Intrigen. Auslöser dafür war die US-amerikanische Watergate-Affäre, die zum Sturz des republikanischen Präsidenten Richard Nixon führte.

Eltern und Geschwister schildern, wie Lombardi nach seinem Studium wieder zurück nach Hause zog, um sich dort durch Unmengen an Literatur und tausende Dokumente zu arbeiten. Seine Ergebnisse hielt er in einem ausgefeilten System aus Karteikarten und Personenbiographien fest, auf deren Grundlage er schon bald seine ersten Zeichnungen und Diagramme anfertigte. Seine Informationen bezog er dabei stets aus öffentlich zugänglichen Quellen. Alte Freunde berichten von abgehörten Telefongesprächen und dem US-Innenministerium und zeigen damit, dass Lombardi schon früh aufgrund seiner Arbeit ins Visier der Ermittler geriet. Zwischen die Gespräche und Interviews baut Wegener eindrucksvolle Archivbilder, Nahaufnahmen seiner Werke und einige (überflüssige, da nichtssagende) Schauspielszenen. Die gestellten Szenen, in denen u. a. die Ex-Freundin Lombardis mitwirkt, sollen Atmosphäre vermitteln und eine Abwechslung zu der Montage aus Interviews, Archivaufnahmen und Bildern von Lombardis Zeichnungen, darstellen. Stattdessen wirken diese jedoch deplatziert, banal und arg trivial, wenn etwa die Ex-Freundin ihre Blicke melancholisch-sehnsuchtsvoll über den East River schweifen lässt. Umso eindringlicher gestalten sich die (vor allem zu Beginn häufig gezeigten) Archivaufnahmen aus Lombardis Atelier, die ihn bei seiner Arbeit zeigen und nachhaltig verdeutlichen, wie akkurat und präzise er bei der Erstellung seiner Kunst und der Archivierung seiner Karteikarten vorging. So gelingt Wegener ein nachdrückliches und faktenreiches Porträt eines von politischen Machtverhältnisse und -strukturen faszinierten Mannes, das gar nicht erst den Versuch unternimmt, den Verschwörungstheorien um seinen Tod neue Nahrung zu geben. Ihre Dokumentation lässt zwar Raum für allerlei Theorien und Vermutungen, konzentriert sich letztlich aber deutlich auf eine objektive Darstellung Lombardis und seiner komplexen Kunst. Der Film wird zudem dafür sorgen, Lombardis Bekanntheitsgrad auch außerhalb seines Wirkungskreises, den Vereinigten Staaten, zu vergrößern.

Fazit: Mareike Wegener gelingt mit "Mark Lombardi – Kunst und Konspiration" ein eindrucksvolles, informatives und umfassendes Porträt eines großen Künstlers, der aufgrund seiner (US-lastigen) Thematik hierzulande leider viel zu unbekannt war.





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