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Heiter bis wolkig - Hauptplakat
Heiter bis wolkig - Hauptplakat
© Constantin Film

Kritik: Heiter bis wolkig (2012)


Kaum zu glauben, dass innerhalb eines einfachen Kinojahres das Thema Krebs so oft durch das internationale Kino gewälzt, gewendet und mit humorvollen Anstrich wieder auf die Kinoleinwand geschmissen werden kann, wie es das Jahr 2012 momentan schafft. Ob in der humorvollen amerikanischen Variante "50/50", der belgischen Tragikversion "Hasta La Vista" oder in der irisch-deutschen Produktion "Am Ende eines viel zu kurzen Tages", die als "Coming-Of-Age" Film seine Duftnote tiefgründiger setzen durfte: Es scheint beinahe so, als würde das Kino als letzter Rückzugsort vor der Realität nun selbst die bittere Wahrheit über das harte Alltagsgeschäft im Umgang mit Krebs in all ihren Facetten eingestehen. Oder ist es gar keine Filmmasche, die das Thema verharmlosen soll, in dem man ein paar gute Gags drum herumbaut? Gleich nach dem Motto "Wir lachen, bis wir tot umfallen?".

Bei all den Krebsgeschwüren wollen nun natürlich auch deutsche Produzenten folgen, sodass für den Constantin Verleih am 6. September die Krebskomödie "Heiter bis wolkig" in die Startposition geht. Doch nicht nur das Thema Krebs, wiederholt sich – "Heiter bis wolkig" beweist nur einmal mehr, dass große Produktionen in Deutschland insgesamt gerne einfach ausländische Trends kopieren, siehe "Das Hochzeitsvideo"/"Project X".

Nicht nur die momentan angesagtesten Schauspieler Deutschlands – Max Riemelt und Elyas M'Barek– wurden für die locker, leicht-traurige Komödie "Heiter bis wolkig" mit ins Boot holt, sondern auch Jessica Schwarz als krebskranke Edda. Sie ist einer der wenigen Höhepunkte in der ansonsten sehr durchwachsenen Liebeskomödie, die sich zur Mitte hin zwar deutlich steigert, am Ende aber kaum Emotionen erzeugen kann, weil die Hauptfiguren über eine Standartcharakteristik mit Schubladendenken nicht herauskommen. Dass dabei nicht immer der Ton getroffen wird und die Inszenierung sich künstlich aufbläht, bevor im unausweichlichen Finale das unterdurchschnittlich platte, wie kitschige Endziel erreicht wird, schmälert das Vergnügen ein weiteres Stückchen.

Gerade der Beginn, in dem sich "Heiter bis wolkig" zu einer modern-hippen Verwechslungskomödie à la "Wer ist Fred" entwickeln möchte und dabei simpel offenlegt, wo der Spaß mit dem Thema Krebs anfängt und wo er aufhört, fügt dem Film in seiner Gesamterscheinung schwere Schäden zu. Denn nicht nur, dass sich der Zuschauer sicher darüber sein kann, was der Hauptfigur geschehen wird – auch die Charakteristik der Darsteller ist schneller abgeschlossen, als einem lieb ist. Die beiden Chaoten Tim und Can, die als coole WG-Kumpels mit nettem Aussehen die Tanzflächen erobern wollen, haben schon nach wenigen Minuten kein sonderliches Entwicklungspotenzial mehr. Besonders Max Riemelt wirkt im Hinblick auf seine bisherigen Rollen verschenkt, weil er zwischen Aufreißer und herzensgutem Kerl ein viel zu kleinkariertes Arschloch mit gutem Herzen zu spielen soll - was Riemelt beinahe unterfordert. Elyas M'Barek als Kumpel dagegen darf genau da ansetzen, wo er mit "Türkisch für Anfänger" aufgehört hatte. Erst wenn Jessica Schwarz in ihrer abgemagerten Statur die Leinwand betritt, hebt sich die Qualität des Films, weil nicht nur eine Schauspielerin ihren Auftritt hat, der der süßen, aber überforderten Anna Fischer zeigt, wo sich Fernsehen und Kino unterscheiden, sondern weil endlich eine Figur erscheint, in deren Ausgang, Entwicklung und Charakteristik noch die Variable "Unbekannt" steht. Das Stichwort "vorhersehbar" spielt in "Heiter bis wolkig" eine viel zu große Rolle, wodurch aus dem Film, der ein solides Fernseh-Niveau aufbietet, schnell eine dröge, aber zumindest teils unterhaltsame Komödie wird.

Schwarz als rachsüchtige, durchgeknallte, aber lebensfrohe Edda macht als einzige sichere Instanz extrem viel Laune, weil man ihr einerseits ihren widersprüchlichen Charakter zwischen Angst und Trotz abnimmt, anderseits ihre amüsanten Ausraster mit viel Humor und Zynismus unterhaltend verfolgt. Gerade im Mittelteil, in dem sich der Film beinahe aus seinen Konventionen befreit, steckt das größte Potenzial, welches sich Regisseur Marco Petry auch gleich wieder verbaut, in dem er Handlungsfäden aufbaut, die so stereotyp verlaufen, wie sie später auch einfach versiegen. Erst zum Ende hin, wenn den Drehbuchautoren auffällt, dass so viele ungeklärte Fragen noch offen stehen, wird hastig alles zurecht gebogen. Egal, ob die Fäden falsch zusammengeknotet sind oder schnell reißen könnten: Die Freundschaft zwischen Tim und Can, das eigene Restaurant, die große Liebe - im Film wird alles passend gemacht, was noch nicht passt. So aber wirkt das Ende künstlich herbeigefüht, was "Heiter bis wolkig" zu einem lediglich mittelmäßigen Streifen macht, der mit viel Humor und gleichzeitiger Dramatik eigentlich über mehr Potenzial verfügt, als es das Ende durch seine mittelschwere Inszenierungskatastrophe vermuten lässt.

Fazit Mit seinen Schablonenfiguren, unausgegorenen Handlungssträngen und dem "Facepalm"-Ende kann sich die viel zu konventionelle Komödie "Heiter bis Wolkig" nur dank einer sehr gut aufgelegten Jessica Schwarz noch ins Mittelmaß retten.





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