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Agent Ranjid rettet die Welt - Teaserplakat
Agent Ranjid rettet die Welt - Teaserplakat
© Constantin Film

Kritik: Agent Ranjid rettet die Welt (2012)


Jeder Comedian braucht seine Nische. Der eine lästert unaufhörlich über seine Freundin, ein anderer gibt den prolligen Porschepiloten wie selbsternannten Frauenflüsterer und wieder ein anderer verlegt sich auf die besonderen Eigenheiten der Multikulti-Gesellschaft und nennt es Ethno-Comedy. Gemeint ist natürlich kein Geringerer als der Komiker Kaya Yanar, der selbst einen türkisch-arabischen Migrationshintergrund sein Eigen nennt. Nach Fernsehshows und Soloprogrammen kommt nun seine Agenten-Persiflage "Agent Ranjid rettet die Welt" in die Kinos. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es darin das geballte Klamauk-Potpourri, das man bereits aus den Einspielern der Shows her kennt.

Yanar schlüpft dabei in sechs verschiedene Rollen, darunter natürlich auch Ranjid, den leicht debil wirkenden Inder, den eine ganz besondere Liebe mit seiner Kuh Benytha verbindet. Diese leidet an übermäßiger Flatulenz, weshalb eine kostspielige Operation vonnöten ist. Ranjid ist allerdings Pleite. Da trifft es sich nicht schlecht, dass "Das Bundesmerkel" beim türkischen Geheimdienst ASS (Ayran Secret Service) um Hilfe ersucht. Der Größenwahnsinnige holländische Superverbrecher Freek van Dyk (Rutger Hauer) hat ein Hitech-Handy in seinen Besitz gebracht, mit dem es möglich ist, Menschen fernzusteuern und beabsichtigt nun einen Satelliten ins All zu schießen mit dem er die gesamte Menschheit unter seine Kontrolle bringen will. Angesichts dessen, dass allen Geheimdiensten der Welt, inklusive der GEZ, gerade die Agenten ausgegangen sind, darf nun Ranjid ran, der sonst nur als Putzkraft bei ASS tätig ist.

Der eine nennt es Ethno-Comedy, für den anderen ist es die absolute Humorhölle. Hier werden die besonderen Eigeneheiten von Indern, Türken, Holländern, Griechen und Deutschen nicht liebevoll auf die Schippe genommen; Yanar ist kein noch so abgedroschenes Klischee nicht zu angestaubt, um es nicht noch einmal cineastisch zu verwursten. Wer sich dabei ernstlich amüsieren kann, muss schon ein hartgesottener Jünger sein. Hauptzugpferd der Bespaßung sind die üppig ausfallenden Slapstickeinlagen; zumindest einmal wird dabei auch beim Kultklassiker Inspektor Clouseau gewildert, längst aber ohne dessen Charme. Die Anlehnung an Bond, dessen aktuelles Abenteuer "Skyfall" zeitnah in den Kinos startet, weist denn auch mehr marketingtechnische Überlegungen auf.

Sich über diesen hirnfreien Ulk in irgendeiner Form übermäßig aufzuregen, erscheint aber tatsächlich überzogen. Dafür ist "Agent Ranjid rettet die Welt" schlichtweg viel zu leicht verdauliche Kost. Das Gute an solch einem Film ist überdies, dass im Prinzip niemand behaupten kann nicht gewusst zu haben, auf was er sich da mit dem Kauf der Eintrittskarte einlässt.
Die einzige bohrende Frage die bleibt ist, wie es sein konnte, das sich Altstar Rutger Hauer (Blade Runner) in solch einen Film verirrte. Wurde er gezwungen, unter Drogen gesetzt, brauchte er Geld auf seine alten Tage oder hatte er wirklich Spaß daran, sich zum Affen zu machen?

Fazit: Wer an albernen Slapstick und müden Gags Spaß findet, ist hier nicht völlig verkehrt. Richtig auf seine Kosten kommt aber erst derjenige, der sich an Superbösewichtern ergötzen kann, die orthopädische Holzschuhe tragen und Kommandozentralen in alten Mühlen verstecken sowie am unverwüstlichen griechischen Sirtaki-Mann, der die Finanzkrise wegtanzt oder an ewig grinsenden Indern, die alle in irgendeinem Callcenter arbeiten.




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