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Die Schatzritter
Die Schatzritter
© Lucil Film

Kritik: Die Schatzritter und das Geheimnis von Melusina (2012)


Wenn man sich mit viel Pathos und überschwänglichen Gefühlen an seine Kindheit und frühe Jugend entsinnt, dann erinnert man sich insgeheim doch gerne an die prägende Zeit des Kinder-Fernsehens, welches ihren Dienst für jede Generation auf unterschiedliche Weise tut. Ob die "Fünf Freunde" oder die "Ducktales" – Abenteuer- und Zeichentrickserien gehören zum Standardrepertoire. Für mich zählt auch "Schloss Einstein" dazu - eine Serie, die als Vorreiter des vor mehr als zehn Jahren durch ARD und ZDF neugegründete Kinderfernsehen "KIKA" fungierte. Jahre später musste ich dann beim Anblick einer alten Folge der Internatsseifenoper mit Grauen feststellen, wie mittelmäßig gemacht und schlecht gespielt diese Serie war. Aber der Mythos bleibt und die Erinnerung gehört zum Lebenslauf irgendwie dazu.
Die kommende Generation wird vermutlich ebenso wie die Vorangegangenen von Film, Fernsehen und Abenteuergeschichten geprägt sein. Daher muss man sich ab dem 30. August auch Sorgen um die Jugend machen. Denn während "Ice Age 4", "Der Lorax" und Co. über die Leinwand flimmern und für kindgerechte Unterhaltung sorgen, kommt Ende des Monats ein deutsch-luxemburgisches Werk in die Kinos, welches wie der grenzdebile Bruder der "Fünf Freunde" wirkt. Nur das kein Hund mehr dabei ist.

Wer den Film von Laura Schroeder - "Schatzritter" - seinen Kindern freiwillig zu zeigen gedenkt, sollte wissen, was ihm und den kleinen Rackern bevorsteht. Denn bei all den toll gemachten Kinderproduktionen und den guten Fernsehfilmen die es so gibt, ist "Schatzritter" eine Beleidigung für das vielgeliebte Kinderformat. Abgedroschen, handwerklich miserabel und gespielt von einem Ensemble an Laiendarstellern, ist der Fantasyfilm eine peinliche Kopie aller bekannten Filmmuster und dabei so zum Schreien schlecht, dass selbst die Zielgruppe, die schon lange nicht mehr auf ein solch müdes Gruselkabinett reinfällt, lachen wird. Eine Katastrophe.

Vom Drehbuch her gesehen, kann man dem Film noch nicht einmal komplettes Versagen vorwerfen. Die Fantasygeschichte um vier Freunde, die in ihren Sommerferien einen sagenumwobene Mythos um die Gründungsgeschichte Luxemburgs aufdecken, hat all die Elemente, die eine solche Geschichte benötigt, auch wenn einem bei den Stichworten "Sommerferien", "Natur" und "Schatz" unzählige andere Filme einfallen: Klare Charakteristik unterteilt in Gut und Böse, viele Abenteuer und ein schönes Ambiente.
Der Umsetzung dieser Idee mangelt es allerdings so dramatisch an filmischer Klasse, dass der Streifen köstlich amüsiert - aber leider nur weil man über "Schatzritter" lacht, nicht mit ihm. Problematisch ist schon das Ziel der Filmemacher, auch einen Lehrauftrag zu erfüllen: Zwischen den platten "Natur forscht" Anspielungen, steht das Schulfach "Latein" ganz hoch im Kurs. Die Botschaft ist so simpel, wie aufgezwungen. Kinder, lernt Latein, dann könnt ihr auch mythische Schätze finden und mit ein paar MacGyver-Tricks stehlt ihr den Bösewichten auch die Show!
Es mag ja sein, dass sich der Zuschauer in einem Kinderfilm befindet – aber beim Stichwort "Bösewichte" nähert sich der Film gezielt dem "Schloss-Einstein-Niveau", um dieses dann sogar zu untergraben. Neben dem schlecht geschminkten Bösewicht und seinen beiden Dick&Doof-artigen Helfern, deren trotteliger Name - "Die schwarzen Brüder" – schon Heiterkeit auslösen wird, soll ausgerechnet ein Zitteraal für spannungsgeladene Momente sorgen.
Die meisten Lacher allerdings wird das dilettantische Auftreten der Schauspieler ernten - wobei die Jungdarsteller außen vor sind. Mit ihren limitierten Fähigkeiten holen sie alles aus ihren Rollen heraus. Doch das Agieren der erwachsenen Schauspieler, ihr Spiel auf Knopfdruck, das Artikulieren der Dialoge wie Fließtext und die in Stein gemeißelte Mienen sind so erbärmlich, dass der gravierendste Fehler, die mangelnde Schauspielerführung der Regisseurin, gleich noch auffälliger wird. Ob falsch platziert oder ohne Anweisungen in die Szene geschmissen - viele Takes scheinen viel zu schnell zusammengeschustert.
Noch schneller wurde allenfalls der Schnitt in der Postproduktion "vollendet" – die vielen Anschlussfehler und unsinnigen Kürzungen besitzen ungemein viel Gag-Potenzial. Dabei entstehen so viele Peinlichkeiten, dass der Film sich für einen Kinonachmittag disqualifiziert – und als Anwärter für einen Trashfilm-Titel bewirbt. Zwar sollte man von einem Kinderfilm nie besondere Leistung erwarten - aber im Anbetracht der teils sehr gut gemachten Konkurrenz, ob aus Deutschland, ob aus anderen europäischen Ländern oder Amerika – ist dieses Kinder-Abenteuer ein Witz und taugt allenfalls als unfreiwillig komische B-Produktion.

Fazit: Eine eindringliche Warnung an alle Eltern: "Schatzritter" wird sogar eure Kleinen zum Schaudern bringen - und das sicher nicht vor Spannung. Angesichts qualitativ hochwertiger Konkurrenz kann man das deutsch-luxemburgische Werk einfach außen vor lassen.





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