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Das Haus auf Korsika
Das Haus auf Korsika
© Schwarz-Weiss Filmverleih

Kritik: Das Haus auf Korsika (2011)


In manchen Filmen passiert gar nicht viel, dennoch nehmen sie einen gefangen. In "Das Haus auf Korsika" erzählt der belgische Regisseur Pierre Duculot von Christina (Christelle Cornil), die von ihrer Großmutter ein Haus auf Korsika erbt, von dem bisher niemand etwas wusste. Ihre Eltern und ihr Freund Marco (Jean-Jacques Rausin) drängen auf einen Verkauf, aber Christina will sich das Haus wenigstens einmal ansehen. Also reist sie nach einem Streit mit Marco spontan nach Korsika – und sieht sich mit elementaren Schwierigkeiten konfrontiert: das Haus liegt abgeschnitten in den Bergen, dorthin ist außerhalb der Saison ein Hinkommen nur schwer möglich. Außerdem ist das Dach des Hauses undicht, es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom. Aber Christina lässt sich nicht abschrecken, sondern bleibt für einige Tage in ihrem Haus. Sie lernt die Dorfbewohner kennen und erfährt bald mehr über die außergewöhnliche Liebesgeschichte ihrer Großeltern. Vor allem entdeckt sie die wunderschöne Landschaft Korsikas und begegnet dem Ziegenhirten Pascal (François Vincentelli), der sie anfangs für eine Touristin hält, aber ihre Hartnäckigkeit erkennt.

In Christina wächst langsam die Erkenntnis, dass dieses Haus auf Korsika ihr eine Chance auf ein anderes Leben ermöglicht. Nach einem Studium der visuellen Kunst hat sie keinen Job gefunden und arbeitet seither in der belgischen Stadt Charleroi in der Pizzeria des Vaters ihres Freundes als Kellnerin. Sie ist fast 30 Jahre alt und nun an einem Punkt, an dem sie sich entscheiden muss, wie es weitergehen soll. Ihre einstigen Träume haben sich nicht erfüllt, aber sie hat sich in ihrer Beziehung und ihrem Leben eingerichtet. Dennoch es gibt in ihr eine Sehnsucht, die in Belgien nicht gestillt werden kann, und das Haus in Korsika steht für einen anderen Weg in eine ungewisse Zukunft.

Unaufgeregt und mit wenigen dramatischen Wendungen konzentriert sich Pierre Duculot auf diesen inneren Konflikt der Hauptfigur. Dabei verzichtet er glücklicherweise auf wundersame Zeichen und Fügungen, sogar die Geschichte der Großmutter wird nur angedeutet. Stattdessen führt das Haus auf Korsika Christina zu sich selbst. Sie steht ein für ihre Wünsche und ist bereit, Arbeit zu investieren. Dabei agiert Christelle Cornil sehr natürlich in der Rolle und findet in den zwei Männern, die die gegenteiligen Wege in ihrem Leben begleiten könnten – Jean-Jacques Rausin als der vertraute Freund in Belgien und François Vincentelli als aufregender Neubeginn in Korsika – ideale Gegenparts. Sie verkörpern das Altbekannte und Leichte (Rausin) und das Aufregende und Neue (Vincentelli), allerdings bricht Pieere Duculot seine Geschichte an keiner Stelle auf die Entscheidung zwischen zwei Männern herunter. Das wäre zu einfach. Vielmehr lernt Christina, dass sie es alleine schaffen muss – wenn sie es denn will.

Fazit: "Ein Haus in Korsika" ist ein gelungenes zurückhaltendes Drama, das einen Kinobesuch sehr lohnt. Mit guten Schauspielern und eindrucksvollen Bildern erzählt es eine einfache Geschichte angenehm unaufgeregt.




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